Konjunktur 2008 : „Noch keine Bremsspuren“

Die Arbeitslosigkeit steigt weniger stark als sonst im Januar. Die Bundesagentur für Arbeit bleibt dennoch zuversichtlich, denn trotz internationaler Finanzkrise und getrübter Konjunkturaussichten ist die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt besser als erwartet.

Yasmin El-Sharif
Arbeitsmarkt
Trotz steigender Arbeitslosigkeit gibt sich die Bundesagentur optimistisch. -Foto: dpa

Berlin - Zwar stieg die Zahl der Menschen ohne Job im Januar um 253 000 auf 3,66 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Doch ist dies der niedrigste Wert seit 15 Jahren. Der Anstieg fiel zudem geringer aus als sonst in diesem Monat üblich. Der milde Winter und das Saisonkurzarbeitergeld etwa für Bauarbeiter haben zu der positiven Entwicklung beigetragen, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Unter Herausrechnung jahreszeitlicher Einflüsse ging die Erwerbslosenzahl im Januar sogar um fast 90 000 zurück. „Auf dem Arbeitsmarkt sind noch keine Bremsspuren zu erkennen“, erklärte Weise.

Auch für die kommenden Monate bleibt die BA zuversichtlich und hält an ihrer Prognose für das Gesamtjahr fest. Ungeachtet der Auswirkungen der Finanzkrise, des hohen Ölpreises und des schwachen Dollarkurses bleibe die BA bei ihrer Meinung, dass die Arbeitslosenzahl im Jahresschnitt auf 3,5 Millionen zurückgehe. „Diese 3,5 Millionen sind eine sichere Prognose“, sagte Weise. Eine neuere Prognose werde die BA erst zur Jahresmitte vorlegen, wenn aktuelle Konjunkturdaten vorlägen. Auch Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) gab sich zuversichtlich: „Es gibt einen robusten Aufwärtstrend“, erklärte er in Berlin. „Trotz Bankenkrise und Nokia-Schließung können wir weiter zuversichtlich sein: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt hält an.“

Auch Arbeitsmarktexperten gehen von einer weiter stabilen Lage auf dem Jobmarkt aus. „Die gute Entwicklung wird sich bis mindestens zur zweiten Jahreshälfte halten“, sagte Herbert Buscher vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle dem Tagesspiegel. Und selbst danach gebe es nur eine leichte Eintrübung, meint Buscher. „Ich halte es sogar für möglich, dass wir im Jahresschnitt 3,3 Millionen Arbeitslose haben werden.“

Am Donnerstag sorgten auch die neuen Zahlen zur Erwerbstätigensituation und zum Ausbildungsmarkt in Deutschland für Zuversicht. Mit rund 40,2 Millionen Erwerbstätigen gab es im Januar fast 590 000 mehr als ein Jahr zuvor. Dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge hat die Wirtschaft zudem im vorigen Jahr 88 900 neue Ausbildungsplätze angeboten und damit ihre Zusage im Ausbildungspakt weit übertroffen. „Das Paktjahr 2007 war ein Rekordjahr“, sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Es wird immer schwieriger, die angebotenen Stellen zu besetzen.“ Der DGB sprach dagegen von einem „Missverhältnis zwischen den Erfolgsmeldungen der Paktpartner und der Lebenswirklichkeit junger Menschen“. Nach wie vor seien über 300 000 junge Menschen als sogenannte Altbewerber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

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