Konjunktur 2008 : Zwischen schön und schrecklich

Wie lange hält der Aufschwung? Selten waren sich die Wirtschaftsforscher so uneins wie derzeit. Die meisten sehen das Land aber weiter auf Wachstumskurs, allerdings mit weniger Tempo.

Carsten Brönstrup,Stefan Kaiser

Die Herren Wirtschaftsforscher wissen es mal wieder nicht so genau. Der Aufschwung geht weiter, sagt der eine. Vielleicht doch nicht so richtig, sagt der andere. Wir kommen einer Rezession nahe, orakelt der dritte. Es geht um die Aussichten für 2008 – so unsicher wie derzeit war die Lage zum Jahreswechsel selten. Dabei sind die Deutschen verwöhnt: Nach 2,9 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr und vermutlich 2,5 Prozent in diesem mag sich niemand recht darauf einstellen, dass der Wohlstand nicht mehr so rasch zunimmt. In den vergangenen zehn Jahren musste das Land meistens noch mit deutlich schmaleren Wachstumsraten vorliebnehmen.

2007 lief die Wirtschaft auf Hochtouren. Vor allem der starke Export trieb das Wachstum an, Maschinen, Anlagen und Autos „made in Germany“ waren weltweit heiß begehrt. Doch inzwischen haben die Risiken zugenommen. Der Ölpreis hat sich innerhalb des vergangenen Jahres fast verdoppelt und ist nah an die magische Grenze von 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) herangerückt. Das hat auch die Preise stark in die Höhe getrieben. Gleichzeitig ist der Eurowechselkurs so hoch wie nie und verteuert die deutschen Ausfuhren in den Dollarraum.

Doch bei ihren Annahmen müssen sich die Ökonomen zu einem Gutteil auf ihr Bauchgefühl verlassen. Wie stark belastet die internationale Finanzkrise die deutschen Firmen? Kommt es doch noch zu Militärschlägen gegen den Iran? Ist mit neuen Terroranschlägen zu rechnen? Bremsen Umweltkatastrophen die Konjunktur? Geben die deutschen Verbraucher ihre Knauserigkeit auf? „Solche Ereignisse können eine Konjunkturprognose schnell zu Altpapier werden lassen“, erzählt ein erfahrener Prognostiker. „Nur wer ein Gefühl für solche Fragen hat und sich von seinen mathematischen Modellen lösen kann, ist ein wirklich guter Konjunkturforscher.“

Oft haben die Ökonomen in den vergangenen Jahren danebengelegen. Ende vergangenen Jahres hat niemand bei Banken und Instituten die Wachstumsrate für 2007 exakt vorausgesagt. Die größten Schwarzmaler hatten sogar nur ein Plus von einem Prozent auf der Rechnung.

Die Unschärfe liegt auch daran, dass sich die Forscher bei ihren Prognosen auf Daten aus der Vergangenheit stützen müssen. Und selbst die sind unsicher: Revidiert das Statistische Bundesamt mitten im Jahr seine Wirtschaftsdaten, müssen die Volkswirte nachziehen – und sich dann vor ihrem Institutspräsidenten oder ihrem Bankvorstand kleinlaut rechtfertigen. Obendrein zeichnen die zahlreichen Umfragen unter Unternehmen, Verbänden und Verbrauchern oft eher ein Bild der Gegenwart als der Zukunft. Die meisten Forscher haben sich in ihrer aktuellen Wachstumsprognose deshalb für einen Mittelweg entschieden und erwarten ein Wachstum um oder knapp unter zwei Prozent. „Die genaue Zahl“, raunt ein führender Ökonom, „ist ohnehin Glückssache.“

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