Konjunktur : Abkühlung im zweiten Quartal

Die Exporte sind immer noch der Motor der deutschen Wirtschaft. Insgesamt hat sich jedoch die Konjunktur im zweiten Quartal abgekühlt. Der Weltmeistertitel bei den Exporten kann 2007 gerade noch verteidigt werden.

WiesbadenDie deutsche Wirtschaft hat im Frühjahr trotz der fulminanten Exporte geschwächelt. Zwar schiebt der Exportboom die Konjunktur an und wird Deutschland auch in diesem Jahr voraussichtlich wieder zum Exportweltmeister machen, berichtete das Statistische Bundesamt. Diesen lange Jahre verteidigten Titel wird Deutschland nach einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) allerdings 2008 an China abgeben.

Als Bremsfaktoren wirkten im Frühjahr die Flaute am Bau und die geringere Industrieproduktion. Volkswirte gehen davon aus, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal mit rund 0,4 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorquartal etwas an Schwung verloren hat. Die bessere Konjunktur lässt die Firmenpleiten zurückgehen.

"Das zweite Quartal war ein schwaches", sagte Volkswirt Andreas Scheuerle der DekaBank. Im ersten Quartal hatte das Plus noch 0,5 Prozent betragen. "Nach der Konjunkturdelle ist die Rückkehr auf einen dynamischen Aufschwungpfad im zweiten Halbjahr aber absehbar." Für das Gesamtjahr sind die Experten optimistisch und erwarten einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 2,5 Prozent nach 2,8 Prozent im Vorjahr. Die genauen Zahlen für das Wirtschaftswachstum im zweiten Vierteljahr gibt das Amt am kommenden Dienstag (14.8.) bekannt.

Außereuropäischer Handel nimmt zu

Der Außenhandel trug im Frühjahr positiv zum Wachstum bei. Laut Statistischem Bundesamt verkauften Unternehmen im ersten Halbjahr Waren im Wert von 478,5 Milliarden Euro ins Ausland, das waren 11,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im Juni legten die Ausfuhren noch einmal um 11,9 Prozent zu, so dass der - für das Wirtschaftswachstum entscheidende Überschuss in der Handelsbilanz - von 13 auf 16,5 Milliarden Euro stieg. Trotz des starken Euro stieg die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" vor allem aus den Ländern außerhalb Europas.

Die Einfuhren wuchsen im ersten Halbjahr um 7,6 Prozent auf 381 Milliarden Euro. "Das ist ein Beleg dafür, dass die Inlandsnachfrage wieder anzieht", sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank. Die Bauproduktion sei im zweiten Quartal eingebrochen, weil wegen des milden Winters Aufträge bereits in den Wintermonaten abgearbeitet wurden und im Frühjahr fehlten.

Maschinenbau und Chemie liegen vorne

Die Industrie schwächelte zuletzt ebenfalls. Im zweiten Quartal sank die Produktion leicht und im Juni ging der Umsatz gegenüber dem Vormonat Mai saison- und arbeitstäglich bereinigt um 0,7 Prozent zurück. Im gesamten ersten Halbjahr stieg der Umsatz gegenüber der entsprechenden Vorjahreszeit aber dank der Auslandsnachfrage um 7,1 Prozent, so die Statistiker. Von den Wirtschaftszweigen schnitten im Juni der Maschinenbau und die Chemieindustrie am besten ab. Die Auftragsbücher waren nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums im Juni voll (plus 4,6 Prozent gegenüber Vormonat), so dass sich ein positiver Trend abzeichne.

Dank des Aufschwungs gehen die Unternehmenspleiten zurück. Von Januar bis Mai verzeichneten die Statistiker 12.067 Insolvenzanträge von Unternehmen, was einem Minus von knapp 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Trotz der Besserung auf dem Arbeitsmarkt stiegen die Verbraucherinsolvenzen in diesem Zeitraum um gut 20 Prozent auf 43.680. (mit dpa)

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