Wirtschaft : Konjunktur: Adtranz-Verkauf überschattet Wachstum in Berlin

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Die Entwicklung des Wirtschaftswachstums in der Region Berlin-Brandenburg ist überschattet vom drohenden Kapazitätsabbau bei dem Verkehrstechnikhersteller Adtranz. Adtranz, mit Sitz in Hennigsdorf, ist der größte industrielle Arbeitgeber in Brandenburg. Die geplante Übernahme durch die kanadische Bombardier-Gruppe gefährde inklusive der Zulieferbetriebe bis zu 3000 Arbeitsplätze in der Region, sagte Hartmann Kleiner, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB). Das Adtranz-Werk im Norden Berlins ist das einzige Unternehmen der brandenburgischen Metall- und Elektroindustrie mit über 1000 Beschäftigten. Per Ende Juli gab es in der Branche in Berlin knapp 60 100 Arbeitsplätze, in Brandenburg noch 34 600. Im Vorjahresvergleich entsprach das einem Minus von knapp vier Prozent beziehungsweise einer Stagnation. Als überraschend bezeichnete es Kleiner weiter, dass auch die Ernährungsindustrie in Brandenburg zunehmend Schwierigkeiten habe. Offenbar könne Berlin aus aller Welt versorgt werden.

Für 2000 rechnet der Unternehmensverband mit einem regionalen Wachstumsplus von einem Prozent bis 1,5 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte das Wirtschaftswachstum in Berlin und Brandenburg nach Verbandsangaben mit zwei bis 2,5 Prozent höher ausfallen. Dabei bezieht sich der UVB auf den Regionalreport der Bankgesellschaft Berlin. Demnach ist für die Region 2000 mit 1,2 Prozent Zuwachs und 2001 mit einem Plus von 2,5 Prozent zu rechnen. Während der Hauptstadteffekt die Chancen für Berlin 2001 nach Berechnungen der Bankvolkswirte kräftig verbessert, verschlechtert sich auf Grund der schwierigen Lage am Bau die Wachstumsperspektive für Brandenburg im laufenden Jahr drastisch. Die ursprüngliche Prognose von 2,8 Prozent wurde in der Folge auf 0,7 Prozent nach unten revidiert. Im Vergleich zu den übrigen Bundesländern rangieren Berlin und Brandenburg damit auf den unteren Rängen. In diesem Zusammenhang mahnte der Unternehmensverband die schnelle Umsetzung des Flughafenneubaus an. Dies komme der notwendigen Verflechtung des Wirtschaftsraumes zugute, sagte Kleiner. Man brauche mehr Wachstum als in den alten Ländern, um die Infrastrukturlücken zu schließen.

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