Konjunktur : Amerika schüttelt die Krise ab

Die US-Wirtschaft wächst Ende 2009 um fast sechs Prozent – in Deutschland rechnen Forscher nur mit einem winzigen Plus.

325445_0_a4393de8.jpg
Skeptisch. Die Stimmung an der Wall Street hat sich zuletzt verschlechtert. Foto: dpaEPA

Washington/Berlin/München - Mit dem stärksten Wachstum seit mehr als sechs Jahren hat sich die US-Wirtschaft aus der schwerste Rezession der Nachkriegszeit befreit. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im vierten Quartal mit 5,9 Prozent so stark wie seit Sommer 2003 nicht mehr. Das Handelsministerium korrigierte damit am Freitag seine erste Schätzung von 5,7 Prozent. Alle vier Quartale zusammengenommen aber schrumpfte die weltgrößte Volkswirtschaft 2009 mit 2,4 Prozent so stark wie seit 1946 nicht mehr. Die deutsche Wirtschaft brach mit 5,0 Prozent allerdings mehr als doppelt so kräftig ein.

Steigende Exporte, Konsumausgaben und Investitionen sorgten zum Jahresausklang für das unerwartet starke Comeback. Im Vertrauen auf eine steigende Nachfrage bauten die Unternehmen ihre Lagervorräte nicht mehr so kräftig ab wie bisher, was erheblich zur Erholung beitrug. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für dieses Jahr ein Wachstum der US-Wirtschaft von durchschnittlich 2,7 Prozent voraus. Einem kräftigeren Aufschwung steht vor allem die hohe Arbeitslosigkeit im Wege. Seit Ausbruch der Rezession im Dezember 2007 verloren 8,4 Millionen Amerikaner ihren Job.

Das dämpft den privaten Konsum, der rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. „Das Wachstum dürfte nur moderat ausfallen“, sagte Analyst Cary Leahey von Decision Economics. Es sei schwer zu glauben, dass es zu einem neuen Boom am Häusermarkt und den Konsumausgaben kommen wird, der normalerweise einen Aufschwung trägt.

Deutschland ist von BIP-Steigerungsraten wie in den USA unendlich weit entfernt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet im ersten Quartal mit einem Wachstum von nur 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Berliner Institut am Freitag mitteilte. Nach der Stagnation im letzten Quartal 2009 zeige sich, dass der weitere Aufschwung keineswegs sicher sei „und der Anstieg der Wirtschaftsaktivität wohl nur flach verlaufen wird“, hieß es. Auftrieb entstehe vor allem aus der relativ günstigen Entwicklung der Auftragseingänge in der Industrie. Aus dem privaten Konsum kämen derzeit aber keine positiven Impulse.

Die Unternehmen in Deutschland dagegen können angeblich zumindest Hoffnung schöpfen, sich zu wieder angemessenen Bedingungen Geld leihen zu können. Im Februar sei die Kredithürde für die gewerbliche Wirtschaft merklich gesunken, teilte das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) in München mit. Demnach beklagten noch 39,9 Prozent der befragten Unternehmen eine strenge Vergabepolitik der Banken, das war der niedrigste Wert seit gut einem Jahr. Im Vormonat lag der Wert noch bei 42,4 Prozent. Unter der Marke von 40 Prozent stand die Kredithürde zuletzt im Januar 2009 mit damals 39,8 Prozent.

Die Verbesserung habe sich in der Industrie, im Handel und der Bauwirtschaft bemerkbar gemacht, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn laut Mitteilung. „Damit zeigen sich nach der Überwindung der Rezession in der Realwirtschaft nun erstmals deutliche Entspannungstendenzen bei der Kreditversorgung.“

Die Kredithürde wird monatlich durch die Befragung von rund 4000 Unternehmen ermittelt. Am deutlichsten entspannte sich die Lage in der Bauwirtschaft, wo die Hürde um 5,1 Prozentpunkte auf 42,7 Prozent fiel. Im Handel bewerteten noch 36,8 Prozent der Firmen die Kreditvergabe der Banken als restriktiv, das waren 1,7 Prozentpunkte weniger als im Januar. In der Industrie sanken die Hürden sowohl bei großen als auch bei kleinen Unternehmen um jeweils mehr als drei Prozentpunkte. Für mittelgroße Industrieunternehmen ging der Wert lediglich um 1,1 Prozentpunkte auf 39,7 Prozent zurück. rtr/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben