Konjunktur : Aufschwung nur ein "Scheinsieg“

Linke Ökonomen warnen vor Schönfärberei: Deutschland sei viel zu stark von Exporten und damit von der Lage in anderen Ländern abhängig.

210327_1_xio-image-4818352790c49.heprodimagesgrafics84120080429volkseinkommenneu.jpg

Berlin - Die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik sieht Deutschland in eine Rezession abrutschen, wenn kein grundsätzliches Umdenken stattfindet. Den derzeitigen Aufschwung bezeichneteten die linken Wirtschaftswissenschaftler, die ihr Memorandum 2008 am Montag in Berlin vorstellten, als „Scheinsieg“. „Es gab quantitative Zuwächse, aber ihre Qualität spottet jeder Beschreibung“, sagte Heinz-Josef Bontrup. So sei die Arbeitslosigkeit 2007 gegenüber dem Vorjahr zwar gesunken, dafür bezögen mehr als ein Fünftel aller Erwerbstätigen Niedriglohn. „Bei dieser Beschäftigungsart steht Deutschland an der kontinentaleuropäischen Spitze“, sagte Karl-Georg Zinn.

Bontrup warnte vor zu kurzfristiger Betrachtung: „Kapitalismus hat Zyklen wie Ebbe und Flut, aber die Aufschwünge werden schwächer.“ Die deutsche Konjunktur verlasse sich zu sehr auf Exporte. Diese seien in Gefahr, wenn es in den USA, dem zweitgrößten Handelspartner Deutschlands, durch die Finanzkrise zu einer Rezession komme. In Deutschland ist so eine Entwicklung nach Ansicht der Arbeitsgruppe nur durch eine starke Binnennachfrage aufzuhalten. 2007 ist sie dem Memorandum zufolge jedoch zum dritten Mal seit 2001 gesunken. Als Gründe nannte Zinn den stetigen Rückgang der Lohnquote. In diesem Zusammenhang sprechen die Wissenschaftler von einem „Oberschichtenproblem“: Während der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen in Deutschland im Jahr 1982 noch 73,2 Prozent betrug, lag er 2007 bei 64,6 Prozent.

„Wäre das ein Versuch im Labor, hätte ihn jeder Wissenschaftler längst abgebrochen“, sagte Bontrup. Die Verfasser des Memorandums fordern einen Mindestlohn von 1500 Euro monatlich sowie eine Arbeitszeitverkürzung. Weiterhin verlangen sie eine Anhebung des Spitzen- und Körperschaftsteuersatzes und eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer. rik

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben