Wirtschaft : Konjunktur beschleunigt Verkehr

Der Güterverkehr wird nach einer Prognose des Münchener Ifo-Instituts in Deutschland im Jahr 2000 deutlich stärker wachsen als der Personenverkehr. Während der Transport von Waren auf Straße, Schiene, Wasser und in der Luft von der anziehenden Konjunktur wohl profitieren werde, dürfte der Personenverkehr auf der Straße durch die höheren Kraftstoffpreise gebremst werden, heißt es in der Ifo-Studie. Trotz des zusätzlichen Verkehrsaufkommens durch die Weltausstellung "Expo 2000" in Hannover rechnet das Ifo mit einem ähnlich moderaten Zuwachs wie 1999.

Der gesamte Personenverkehr wird um 1,4 (1999: 1,4) Prozent auf 968 (954,4) Milliarden gefahrene Kilometer zunehmen. Dabei werde aber trotz des stärkeren Wirtschaftswachstums die Zahl der beförderten Personen mit 61,6 (61,3) Millionen nur um 0,6 (1,0) Prozent über dem Vorjahr liegen. Allein die Expo verursache 0,2 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens. Dabei bleibt das Wachstum des Individualverkehrs hinter dem öffentlichen Personenverkehr zurück. Mit über 80 Prozent am Personenverkehr behalte der Individualverkehr aber eine unangefochtene Spitzenposition. Der Bestand an Pkw wird davon kaum tangiert. Am Jahresende 2000 dürfte es in Deutschland erneut 1,7 (1999: 1,7) Prozent mehr Autos geben als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Fahrzeuge steige damit auf insgesamt 43,150 (42,423) Millionen.

Für die stärkere Zunahme des öffentlichen Verkehrs ist vor allem der Luftverkehr verantwortlich, der vor dem Hintergrund zusätzlicher Kapazitäten und günstiger Preise noch stärker expandiert. Das Ifo rechnet mit 8,5 (7,5) Prozent mehr geleisteten Flugkilometern; schon 1999 stieg diese Zahl bereits um 7,5 Prozent. Die Eisenbahn werde 5,1 Prozent mehr Kilometer zurücklegen, damit im Jahr 2000 jedoch nur 2,6 Prozent mehr Passagiere befördern. Flugzeug und Eisenbahn kommt die mit rund 5,5 Prozent deutlich wachsende Nachfrage nach Fernreisen zu Gute, aber auch die Verlagerung von Fahrten mit dem eigenen Auto auf öffentliche Verkehrsmittel.

Der wirtschaftliche Aufschwung macht sich 2000 vor allem im Güterverkehr bemerkbar. Insgesamt dürfte hier die Transportmenge im Vergleich zu 1999 um 3,1 Prozent steigen. Die Verkehrsleistung, die in gefahrenen Tonnenkilometern angegeben wird, wird sogar um 4,8 (3,9) Prozent wachsen, weil die Fahrten einmal durch den Außenhandel, aber auch durch die um drei Prozent steigende Industrieproduktion und die wachsende Bautätigkeit zunehmen wird. Erneut überproportional an dem Zuwachs beteiligt ist der Güterverkehr auf der Straße, der einen Mengenzuwachs von 3,4 Prozent erwarten darf. Der Bahn werde dagegen nicht gelingen, Marktanteile zurück zu gewinnen, die sie vor allem in der Montanindustrie eingebüßt hatte. Zuwächse kann sie nur im kombinierten Verkehr auf Schiene und Straße erwarten. Dagegen profitiert die Binnenschifffahrt nach den Verlusten von 1999 vom zunehmenden grenzüberschreitenden Verkehr.

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