Wirtschaft : Konjunktur: Bundesbank erwartet Wachstum von 1,7 Prozent

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung von Bundesbankpräsident Ernst Welteke in einer schwachen Phase, kann aber in diesem Jahr noch ein Wachstum von 1,7 Prozent erreichen. Voraussetzung dafür sei eine dank der Steuerreform stärkere Binnennachfrage sowie eine anziehende Weltkonjunktur im zweiten Halbjahr, sagte Welteke am Donnerstag in Dresden. Er sprach sich gegen Konjunkturprogramme aus, da sie kein Instrument der wirtschaftlichen Feinsteuerung seien. "Man sollte jetzt nicht mit übertriebenem Aktionismus reagieren." Für Konjunkturprogramme fehle ohnehin das Geld. Deutschlands Top-Manager sind einer Umfrage des Handelsblatts zufolge pessimistischer - fast die Hälfte von ihnen befürchtet eine Rezession.

Das gegenwärtige Leitzinsniveau in der Euro-Zone bezeichnete Welteke als angemessen. Vom Euro-Kurs gingen derzeit keine Inflationsgefahren aus. Wenn der Preisauftrieb wie erwartet im zweiten Halbjahr abnehmen werde, dürfte auch die Binnennachfrage stärker werden. Es sei allerdings noch nicht klar, ob bei der Inflationsentwicklung in Deutschland schon die Trendwende erreicht sei. "Ob die 3,1 Prozent schon die Trendwende ist, lässt sich noch nicht abschließend beurteilen", sagte Welteke. Im Juni war die Teuerung in Deutschland auf 3,1 Prozent von ihrem Jahreshoch von 3,4 Prozent im Mai zurückgegangen.

Nachdem die sechste Zinssenkung durch die US-Notenbank Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung geschürt hatte, ist der Euro ist am Donnerstag zum Dollar auf ein Wochentief unter 0,85 Dollar gefallen. Zu den Verlusten von über einem Cent trug Händlern zufolge außerdem ein Bericht bei, nach dem die US-Regierung weiterhin einen starken Dollar erwartet. Analysten sagten, nach der Zinssenkung der Fed richte sich der Blick nun auf die Geldpolitik in der Euro-Zone und Japan. Die Notenbanken dort müssten ihre Geldpolitik lockern, zitierte das "Wall Street Journal" einen US-Regierungsvertreter.

In den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft wächst unterdessen der Pessimismus. Alle Indikatoren des Handelsblatt Business-Monitors, die sich auf die Wirtschaftsentwicklung der kommenden zwölf Monate beziehen, haben sich im Juni zum Teil massiv verschlechtert. Das Stimmungsbild aus der Juni-Umfrage ist rundum negativ. Fast die Hälfte der Top-Manager sieht die Gefahr einer Rezession. Mehr als zwei Drittel erwarten zudem, dass die hohe Inflationsrate vorläufig nicht zurückgeht. Und gerade noch acht Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Standortbedingungen.

49 Prozent der Top-Manager halten es für möglich, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession gerät, 50 Prozent halten diese Befürchtung für unbegründet. Von einer Rezession spricht man, wenn die Wirtschaft über zwei Quartale hinweg schrumpft. Immerhin 51 Prozent rechnen mit einem Wachstum von "bis zu zwei Prozent" in diesem Jahr. Knapp ein Drittel (30 Prozent) der Manager rechnet mit einem Wachstum von "bis zu 1,5 Prozent".

Die negativen Beurteilungen der Konjunktur schlagen sich auch im Standortklima des Handelsblatt Business-Monitors nieder. Dieser Indikator bildet die Einschätzungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in den kommenden zwölf Monaten ab. Nur acht Prozent der Führungskräfte rechnen mit einer Verbesserung, 21 Prozent erwarten "gleich gute" Bedingungen, 19 Prozent "gleich schlechte". In der Mehrheit sind mit 52 Prozent aber jene, die mit einer Verschlechterung rechnen.

Regelrecht eingebrochen ist das Beschäftigungsklima. Nur noch 18 Prozent der Führungskräfte, so wenige wie nie seit Einführung des Handelsblatt Business-Monitors, wollen im kommenden Jahr Mitarbeiter einstellen. 35 Prozent wollen sie senken. Im Juni 2000 war das Verhältnis genau umgekehrt gewesen. 47 Prozent wollen die Beschäftigtenzahl in ihrem Unternehmen derzeit nicht ändern. Besonders schlecht sieht es im Baugewerbe aus, wo 55 Prozent der Betriebe Arbeitsplätze abbauen und nur zehn Prozent zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen. Nicht viel besser sind die Aussichten im Handel:In 42 Prozent der Unternehmen droht eine Verringerung der Beschäftigtenzahl, nur 15 Prozent erwarten eine Steigerung.

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