Konjunktur : Der Schwung lässt nach

Die Dax-Konzerne haben das beste Halbjahr seit langem hinter sich – jetzt könnte es ungemütlich werden.

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Exportschlager. Die deutschen Autohersteller VW, Daimler und BMW steigerten ihren Umsatz im zweiten Quartal zusammen um 14 Prozent auf 96 Milliarden Euro. Foto: dapd
Exportschlager. Die deutschen Autohersteller VW, Daimler und BMW steigerten ihren Umsatz im zweiten Quartal zusammen um 14 Prozent...Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands haben sich bislang von der Euroschuldenkrise kaum beeindrucken lassen. Im zweiten Quartal blieb unter dem Strich sogar ein Umsatzrekord und der zweithöchste Gewinn vor Steuern und Zinsen in einem zweiten Quartal überhaupt. Dies zeigt eine Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Allerdings: Fortsetzen dürfte sich diese Entwicklung kaum. „Die kommenden Monate werden schwierig. Die Konjunkturaussichten haben sich verdüstert. Die Unternehmen tun daher gut daran, vorsichtig zu planen“, warnte Ernst & Young-Partner Thomas Harms in Frankfurt am Main.

Die im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne sind freilich auf eine Verschlechterung des Umfeldes gut vorbereitet, weil sie die Kosten im Griff haben und zwischen April und Juni ihre Kassen noch einmal kräftig gefüllt haben: Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um neun Prozent auf 312 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis sogar um zwölf Prozent auf 27 Milliarden Euro. Dies war nach dem zweiten Quartal 2007, als 28,6 Milliarden Euro verdient wurden, das zweitbeste zweite Vierteljahr überhaupt. Kein einziger Konzern schloss die Periode mit einem Minus beim Betriebsergebnis ab.

Der Schub kam, so die Analyse von Ernst & Young, vor allem aus dem Geschäft außerhalb Europas. In den USA, in den Schwellenländern und anderen Regionen verbuchten die deutschen Konzerne ein Umsatzplus von 17 Prozent auf 99,8 Milliarden Euro. Gestützt wurde diese Entwicklung durch den schwächeren Euro. Nachdem er zu Jahresbeginn noch knapp 1,30 Dollar gekostet hatte, rutschte er im zweiten Quartal auf weniger als 1,25 Dollar. Dies verbilligt deutsche Waren im außereuropäischen Ausland. In Europa dagegen konnten die Konzerne den Umsatz zwischen April und Juni nur um fünf Prozent auf 121 Milliarden Euro ausweiten. Nach wie vor verbuchen deutsche Konzerne mit 55 Prozent mehr als die Hälfte ihrer Umsätze in Europa.

Besonders gut liefen die Geschäfte für die deutschen Autohersteller. VW, Daimler und BMW steigerten ihren Umsatz im zweiten Quartal zusammen um 14 Prozent auf 96 Milliarden Euro. Volkswagen erzielte mit 3,3 Milliarden Euro auch das beste Betriebsergebnis. BMW rangiert mit 2,3 Milliarden an dritter Stelle nur knapp hinter der Allianz, die 2,4 Milliarden Euro einfuhr. Der Gewinntrend war allerdings nicht einheitlich. Bei elf Unternehmen fiel das Betriebsergebnis niedriger aus als vor Jahresfrist. Aber drei Firmen hatten im zweiten Quartal 2011 auch einen Verlust hinnehmen müssen. Positiv gestaltet sich die Bilanz auch bei den Arbeitsplätzen. Ende Juni beschäftigten die 30 Dax-Konzerne 3,77 Millionen Menschen, 7000 mehr als ein Jahr zuvor. Zurückzuführen ist dies allerdings auch auf Übernahmen.

Nach Erkenntnissen von Ernst&Young stellen sich die Konzerne allerdings längst auf weniger rosige Zeiten ein. „Die Unternehmen sparen, wo sie können. Sie fahren auf Sicht und richten sich darauf ein, dass es in der zweiten Jahreshälfte ungemütlich werden könnte.“ Ende Juni verfügten sie über flüssige Mittel in Höhe von fast 75 Milliarden Euro. Der Auftragseingang für die deutsche Industrie im Juni zeigt den Trend: Die Order-Eingänge reduzierten sich gegenüber Mai um 1,7 Prozent und damit doppelt so stark, wie Volkswirte erwartet hatten. Im Mai hatte es noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Im Vergleich zum Juni 2011 gingen die Bestellungen um fast acht Prozent zurück.

Harms erwartet aus Europa vorerst keine Wachstumsimpulse mehr. Auch die Geschäfte deutscher Konzerne in den USA und den Schwellenländern könnten wegen der dort langsamer laufenden Konjunktur schwieriger werden. Schließlich bremst der gestiegene Ölpreis. Über allem liegt der Schatten der Schuldenprobleme in Euroland. „Eine weitere Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa könnte zu einer deutlichen Verschärfung der Wirtschaftskrise führen“, warnt Harms. Mit Folgen auch für die Dax-Konzerne.

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