Wirtschaft : Konjunktur: Deutschland bleibt Schlusslicht

Martina Ohm

Die deutsche Volkswirtschaft entwickelt sich allmählich zum Sorgenkind innerhalb der Europäischen Union. Da mag das Bundesfinanzministerium noch so strikt darauf pochen, dass sich die deutsche Konjunktur weiter auf Wachstumskurs befinde und dem Status quo das Etikett "robust" verpassen. Scheuklappenpolitik hilft nicht weiter und provoziert nur überzogene Kritik. Besser wäre es schon, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Schließlich verdichten sich die Anzeichen darauf, dass das ökonomische Schwergewicht in Europa zum Außenseiter im Euro-Raum mutiert. Und man darf getrost vermuten, dass einzig die deutsche Misere die Europäische Zentralbank zuletzt aus ihrer Reserve lockte, die Zinsen zu senken. Bereits Ende April hatte Brüssel Deutschland den letzten Platz auf der Wachstumsskala zugewiesen. Inzwischen sind die Prognosen abermals nach unten revidiert worden. Wer den Grund dafür sucht, darf es sich freilich nicht zu einfach machen. Denn es gibt mehrere Ursachen für den Rückschlag. Das schwierige gesamtwirtschaftliche Umfeld allein ist nicht Schuld an der Situation - wenngleich die höhere Exportabhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft im Vergleich negativ zu Buche schlägt. Auch die Krise am Bau zieht das deutsche Niveau im Vergleich zu anderen EU-Ländern gewaltig nach unten. Und nicht zuletzt kommen Defizite der Schröderschen Politik als Erklärung in Frage. So muss man die administrierten Preiserhöhungen zu Anfang des Jahres kritisch betrachten. Denn die Hoffnung, dass die privaten Haushalte - wie in Frankreich - die Rolle des Konjunkturmotors übernehmen könnten, sind mittlerweile trotz Steuererleichterungen vergleichsweise gering.

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