Konjunktur : Deutschland bremst Europa

Abschwung in den USA, Abschwung in Europa - auch Deutschland ist betroffen. Im kommenden Frühjahr schrumpft hierzulande die Wirtschaft prognostizieren Experten – doch die Flaute dauert nicht lang.

Carsten Brönstrup

Berlin - Der Abschwung in Deutschland wird auch in den übrigen Ländern des Kontinents für eine schlechtere Wirtschaftslage sorgen. „Europa steht vor einem schwachen Jahr 2009“, sagte Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), dem Tagesspiegel. Eine länger andauernde Phase der Stagnation stehe dem Kontinent aber nicht bevor. „Vieles spricht dafür, dass wir es nur mit einer vorübergehenden Abkühlung zu tun haben“, erwartet er.

Momentan bremsen die Finanzkrise, die Euro-Aufwertung und die Abkühlung der Weltwirtschaft die Dynamik auf dem alten Kontinent. Einzig beim Ölpreis gab es am Dienstag ein wenig Entspannung: In New York kostete ein Barrel zeitweise nur 118 Dollar – im Juli waren es noch bis zu 147 Dollar gewesen.

Es gab aber erneut schlechte Wirtschaftsdaten für die Eurozone: Der Umsatz im Einzelhandel sank im Juni um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie das Statikstikamt Eurostat meldete. Zudem gaben sich die Einkäufer der Firmen im Juli erneut pessimistischer, sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor. Während Spanien und Italien ein Rekordminus hinnehmen mussten und es auch in Frankreich so steil bergab ging wie seit Ende 2001 nicht mehr, verbuchte Deutschland ein Plus – wenngleich das zweitniedrigste der letzten drei Jahre.

Bislang galt Deutschland als Wachstumstreiber des Kontinents. Italien stagniert praktisch, Spanien hat es nach starken Jahren angesichts der Immobilienkrise mit einem Rückgang seiner Wirtschaftsleistung zu tun. Ähnliches gilt für Großbritannien und Irland. Nach einem starken Jahresauftakt beim Wachstum dürfte die Eurozone „im zweiten Quartal bestenfalls stagniert haben“, erwarten Fachleute der Bank Unicredit.

Für Deutschland rechnen viele Fachleute damit, dass die Wirtschaftsleistung zwischen April und Ende Juni geschrumpft ist. Für IW-Chef Hüther ist dies aber eine „rein statistische Reaktion“ nach dem guten ersten Quartal – so konnten etwa die Baufirmen dank des warmen Winters Häuser früher als geplant fertigstellen und haben nun weniger zu tun. „Selbst wenn auch das dritte Quartal negativ sein sollte, würde ich deshalb ungern von einer Rezession sprechen“, befand Hüther. Eine Rezession liegt für viele Ökonomen dann vor, wenn das Inlandsprodukt in zwei aufeinander folgenden Quartalen zurückgeht.

Auch Udo Ludwig, Konjunkturchef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, wehrt sich gegen „Schwarzmalerei“, wie er sagte. Zwar könne man eine Rezession nicht grundsätzlich ausschließen. Vieles spreche aber gegen diese Entwicklung – die immer noch guten Daten vom Arbeitsmarkt, der Auftragsbestand, die Erholung in den USA oder der sinkende Ölpreis. „Panikmache ist nicht angebracht.“ Auch die Bundesregierung bemühte sich am Dienstag um Beruhigung. An der „sehr konservativen Konjunkturschätzung“ von 1,7 Prozent für dieses Jahr wolle man festhalten, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU).

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