Wirtschaft : Konjunktur: Deutschland droht eine Rezession

Die deutsche Wirtschaft ist weiter auf Talfahrt. Nicht nur müssen die Wachstumserwartungen erneut nach unten korrigiert werden - nach den Worten von Bundesbankratsmitglied Hans-Helmut Kotz droht Deutschland sogar eine Rezession. Der an den Märkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland ist im Mai auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Damit signalisiert er auch Analysten zufolge Rezessionsgefahren für die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone. In den nächsten Monaten werde sich die Konjunktur weiter abschwächen, sagte Ifo-Volkswirt Gernot Nerb am Freitag.

Wie das Ifo-Institut in München mitteilte, fiel sein Stimmungsbarometer als Maß der Lageeinschätzung in den westdeutschen Firmen im Mai auf 90,9 Punkte. Das Vertrauen der Wirtschaft sank damit noch deutlicher als von den Analysten erwartet, die mit 91,7 bis 91,9 Punkten gerechnet hatten. Im April hatte das ifo-Geschäftsklima noch bei 92,5 Punkten gelegen. Der jüngste Sturz des Barometers deute "klar auf negative Wachstumsraten in der Industrieproduktion hin", betonten die Wirtschaftsforscher.

Anzeichen für eine Rezession "im klassischen Sinne" gebe es dennoch nicht. "Wir rechnen eher mit einer schwachen Wachstumsphase, die mit den Jahren 1997 bis 1999 vergleichbar ist". In diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich um 1,5 Prozent zulegen.

Selbst ein BIP-Anstieg in dieser Größenordnung sei bereits "ambitioniert", betonte Kotz, der auch Präsident der Landeszentralbank (LZB) für Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ist. Als Hauptgrund verwies er bei der Vorstellung des Frühjahrsberichtes zur Branchenkonjunktur auf die Abschwächungstendenzen in den USA. Allgemein werde geschätzt, dass ein um ein Prozent geringeres BIP-Wachstum in den USA im Exportland Deutschland 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte weniger BIP-Anstieg bedeute.

Analysten sehen nun erhöhten Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), mit einer Zinssenkung das Wachstum in der Euro-Zone anzukurbeln. Der Euro verlor wegen der mageren Aussichten für die größte Volkswirtschaft der Währungsunion leicht an Wert.

Angesichts der abflauenden Konjunktur hat die CDU in einem Zehn-Punkte-Papier der Partei- und Fraktionsspitze gefordert, die für 2003 geplante nächste Stufe der Steuerreform vorzuziehen. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) rief Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, noch vor der Sommerpause eine Sitzung des Bündnisses für Arbeit einzuberufen. Es sei dringend notwendig, über Maßnahmen vor allem zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit nachzudenken. Es sei für die Bundesregierung "der ökonomische und soziale Offenbarungseid", dass die Inflation zurzeit doppelt so hoch sei wie das Wirtschaftswachstum.

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