Konjunktur : Deutschlands Elite sieht schwarz

Trotz einer immer noch guten Auftragslage sehen Deutschlands Führungskräfte die Zukunft immer pessimistischer. Die Mehrheit der Entscheider befürchtet einen Abschwung.

Yasmin El-Sharif

Berlin52 Prozent der Entscheider befürchten in den kommenden sechs Monaten einen Einbruch der Wirtschaft. Schlechter war die Stimmung zuletzt im Herbst 2002. Dagegen gehen nur 15 Prozent davon aus, dass es mit der Konjunktur weiter aufwärtsgeht.

Das ist das Ergebnis einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Umfrage unter 605 Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, die das Allensbach-Institut für das Wirtschaftsmagazin „ Capital“ erhoben hat. Befragt wurden unter anderem 128 Chefs von Firmen mit mehr als 5000 Beschäftigten sowie 31 Ministerpräsidenten und Minister aus Bund und Ländern.

Fast 90 Prozent der Befragten sehen demnach im hohen Ölpreis das größte Risiko für die Konjunktur. Die internationale Finanzkrise führen 48 Prozent an. Angst vor einer zu starken Inflation haben 43 Prozent. Knapp ein Drittel sieht in dem starken Euro eine Gefahr für das Wachstum.

Dass die Stimmung insgesamt getrübt ist, lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die derzeitige Auftragslage in den Unternehmen zu. Denn 67 Prozent der Manager berichten von sehr guten oder gut gefüllten Auftragsbüchern. Auch die Beschäftigungspläne sind insgesamt noch positiv: Knapp ein Drittel will in den kommenden zwölf Monaten neue Mitarbeiter einstellen. Jedoch planen etwa 19 Prozent bereits, Jobs abzubauen – darunter insbesondere Großunternehmen.

Die Unzufriedenheit der Befragten hängt offenbar auch mit dem Kurs der Regierung zusammen. So erklärte mehr als die Hälfte, mit der Wirtschaftspolitik der großen Koalition nicht zufrieden zu sein. Und nur 36 Prozent bescheinigen der schwarz-roten Regierung, sie sei „stark genug“. 61 Prozent sagen, dass sie „zu schwach“ sei. Das Ansehen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt von der Kritik aber fast unangetastet. Mehr als drei Viertel der Befragten empfinden sie als eine „starke Kanzlerin“. Auf Platz zwei der einflussreichsten Politiker folgt hinter Merkel überraschenderweise Linken- Chef Oskar Lafontaine (39 Prozent).

Zur Situation der SPD befragt, halten fast neun von zehn Befragten Außenminister Frank-Walter Steinmeier für den aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten. Der größte Einfluss in der SPD wird Andrea Nahles zugeschrieben.Yasmin El-Sharif

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben