Wirtschaft : Konjunktur: Die Börse zweifelt am Aufschwung

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Die Börse droht das Vertrauen in den Aufschwung zu verlieren. Der schwache Euro und steigende Ölpreise drückten am Donnnerstag die Kurse. Besonders betroffen waren Wachstumswerte am Neuen Markt, der über drei Prozent verlor. Das Bundesfinanzministerium warnte unterdessen vor Panik: Die steigenden Ölpreise würden nicht zu einer Ölpreiskrise wie in den 70er Jahren führen. Besorgt äußerte sich hingegen die Europäische Zentralbank. Das teure Öl werde die Inflation im Euro-Raum steigen lassen.

Nachdem der Dax am Mittwoch unter die wichtige Marke von 6800 Punkten gefallen war, setzten die deutschen Standardwerte am Donnerstag ihre Talfahrt fort. Gegen Abend lag das Kursbarometer mit zwei Prozent im Minus bei 6629 Punkten. Händlern zufolge hatte der Kursrutsch am Vortag Panik am Markt ausgelöst. Daraufhin habe eine Verkaufswelle eingesetzt. "Wir haben einen Bärenmarkt", sagte ein Börsianer. Der deutsche Aktienmarkt scheine sich derzeit von den US-Vorgaben abzukoppeln. "Es ist ein deutschlandspezifisches Problem - der Dax reagiert kaum noch auf Impulse aus den USA." Die US-Märkte tendierten unterdessen am Nachmittag uneinheitlich.

Zu den größten Verlierern gehörten die Aktien von Technologieunternehmen. Besonders hart traf es dabei den Neuen Markt: Gegen Abend lag der Nemax-50-Index um 3,6 Prozent niedriger bei 5253 Punkten. Neben wachsenden Sorgen um die Konjunktur belasteten Kursverluste der Indexschwergewichte Deutsche Telekom und T-Online. Die T-Aktie verzeichnete ein neues Jahrestief. Gegen Abend notierten sie um drei Prozent im Minus bei 38,59 Euro. Die Aktie stehe wegen der Veränderungen im Vorstand der Telekom-Tochter T-Online unter Druck, hieß es zur Begründung. T-Online-Titel fielen ebenfalls um über sechs Prozent auf ein neues Jahrestief von 23,88 Euro.

Das Bundesfinanzministerium verbreitete unterdessen Optimismus. Die steigenden Ölpreise würden nicht zu einer Ölpreiskrise führen, hieß es. Die heutige Situation sei nicht mit der in den 70er und Anfang der 80er Jahre zu vergleichen. Allerdings könnte die anhaltende Mineralölverteuerung ein Grund für eine "gewisse Beruhigung" des Wirtschaftswachstums sein, meinte das Ministerium in seinem in Berlin vorgelegten Konjunkturbericht. Auf Grund der dynamischen Entwicklung der Weltkonjunktur werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um rund drei Prozent wachsen.

Nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) sollten die besseren Wachstumsaussichten genutzt werden, die öffentlichen Etats auszugleichen. Dies erachte die EZB als umso wichtiger, weil es 1998 und 1999 an Ehrgeiz gefehlt habe, die Finanzen zu konsolidieren. Dieser Prozess sei mehr oder weniger zum Stillstand gekommen, kritisieren die Euro-Banker in ihrem Monatsbericht September. Immer noch seien die Etats bei unerwarteten Entwicklungen verwundbar. Erneut mahnen die Euro-Banker strukturelle Reformen an. Sie seien zur Erhöhung der Flexibilität der Arbeits-, Güter- und Dienstleistungsmärkte erforderlich. Erst dadurch könne die "immer noch sehr hohe" Arbeitslosigkeit deutlich verringert werden. Mit Blick auf die Entwicklung der Inflation rechnet die EZB wegen der starken Verteuerung des Erdöls mit einem Anstieg.

Für Entspannung auf dem Ölmarkt sorgten Äußerungen von US-Vizepräsident Al Gore, der sich dafür aussprach, die Ölreserven der USA anzuzapfen. Er werde Bill Clinton empfehlen, mehrere Kontingente von jeweils fünf Millionen Barrel freizugeben, erklärte Gore. Dies werde hoffentlich dazu führen, dass im Winter mehr Heizöl zur Verfügung stehe. In London wurde ein Barrel der Sorte Brent zur Lieferung im November am späten Nachmittag mit 32,71 Dollar gehandelt nach 33,74 Dollar am Vorabend.

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