Wirtschaft : Konjunktur: Die deutsche Wirtschaft wächst langsamer

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Die Aussichten für die deutsche Konjunktur haben sich eingetrübt. Die sechs führenden Forschungsinstitute gehen in ihrem Herbstgutachten, das sie am heutigen Dienstag vorstellen werden, nur noch von einem Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent im kommenden Jahr aus. Im Frühjahr waren sie noch von einem Plus von 2,8 Prozent ausgegangen. Für das laufende Jahr erwarten die Forscher dagegen noch immer einen starken Wachstumsschub von drei Prozent, nach 1,4 Prozent im Jahr 1999.

Als Ursache für die Abschwächung im kommenden Jahr sehen die Institute die gestiegenen Ölpreise, die vor allem die allgemeine Lebenshaltung der Bürger verteuert haben. So wird ein Anschwellen der Inflationsrate des Jahres 1999 von durchschnittlich 0,9 Prozent auf 1,9 Prozent in diesem Jahr erwartet. Für 2001 unterstellen die Experten nur eine leichte Abschwächung auf 1,7 Prozent.

Der Abbau der Arbeitslosigkeit wird sich nach Ansicht der Institute im kommenden Jahr dagegen fortsetzen. Die Zahl der Erwerbslosen werde um etwa 290 000 auf 3,6 Millionen sinken. Dies entspricht einem Rückgang der Arbeitslosenquote von 9,2 auf 8,5 Prozent nach 10,5 Prozent im vergangenen Jahr.

Am Wochenende hatte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor "Wolken am Konjunkturhimmel" gewarnt. Das Geschäftsklima habe sich merklich eingetrübt, so der Verband. Der Aufschwung werde im Verlauf dieses Jahres und 2001 etwas an Fahrt verlieren.

Nicht alle stimmen in dieses Lied ein. So zeigte sich der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Montag zuversichtlich, dass die "sieben mageren Jahre" sich dem Ende zuneigen. In den ersten acht Monaten hätten die Umsätze im Einzelhandel um 2,6 Prozent zugelegt, für das Gesamtjahr erwarte er ein Plus von zwei Prozent, sagte HDE-Präsident Hermann Franzen. "Ende 2001 wird der Einzelhandel die Trendwende wohl geschafft haben." Durch die Steuerreform und den konjunkturellen Aufschwung würde jeder Bundesbürger im kommenden Jahr im Schnitt "1500 Mark mehr in der Tasche" haben. Gleichwohl gebe es Gefahren, warnte Franzen. Noch sei die Stimmung unter den Verbrauchern "sehr labil".

Positive Signale kommen auch aus Ostdeutschland. Nach den Worten des Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Rüdiger Pohl, ist in der ostdeutschen Industrie seit der Wende sehr viel Dynamik entstanden. Dort gebe es eine zweistellige Wachstumsrate und eine Produktionssteigerung von elf Prozent in diesem Jahr. Nur die Bauwirtschaft im Osten Deutschlands werde weiter schrumpfen.

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