Konjunktur : Die Kauflaune der Deutschen steigt weiter

Die Deutschen wollen weiter einkaufen, trotz Krise: Der GfK-Index klettert von 2,6 auf 2,9 Punkte – auf den höchsten Stand seit einem Jahr.

NürnbergEs ist auf den ersten Blick paradox: Die deutsche Volkswirtschaft rutscht in die schwerste Rezession seit 60 Jahren, doch die Kauflaune der Deutschen trübt das nicht. Wie die Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Dienstag mitteilten, verbesserte sich der sogenannte Konsumklimaindex des Instituts von 2,6 auf 2,9 Punkte. Die Stimmung unter den Verbrauchern habe sich auf "auf breiter Front" verbessert, teilte das Institut mit. 

Hierfür gibt es nach Ansicht der Forscher zwei Gründe. Zum einen ist die Inflation derzeit niedrig und liegt fast bei Null. Zum anderen mehren sich die Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Konjunktur. Im Sommer 2008, als sich die Finanzkrise verschärft hatte, war das Konsumklima auf 1,5 Punkte eingebrochen und auf den tiefsten Stand seit 2003 gesunken. Zum Vergleich: Im Boomjahr 2006 lag der Indikator noch bei 9,1 Zählern. Seit Herbst kletterte das Barometer dank des noch robusten Arbeitsmarktes und der Aussicht auf stabile Preise in kleinen Schritten nach oben. Die GfK befragt jeden Monat 2000 Menschen, um die Kauflaune der Deutschen zu ermitteln.

Im Mai sank die Inflationsrate in Deutschland erstmals seit 22 Jahren wieder auf null. Deshalb schätzten die Bürger ihre künftige finanzielle Lage positiver ein, erklärte die GfK. Zudem habe sich – auch wegen der Abwrackprämie – die Bereitschaft erhöht, teure Produkte zu kaufen wie Autos, Fernseher, Sofas. Die sogenannte Anschaffungsneigung der Verbraucher verbesserte sich um zwei auf 14,5 Punkte. Der Einzelhandel spürt davon bisher allerdings wenig.

Das GfK-Teilbarometer für die Konjunktur stieg im Juni den dritten Monat in Folge um 5,7 auf minus 22,6 Punkte. Die Konsumenten gingen offensichtlich davon aus, dass der starke Konjunktureinbruch "nach und nach gestoppt werden kann", hieß es. Auch die 7000 vom Ifo-Institut befragten deutschen Firmen hatten sich optimistisch zu einer Stabilisierung der Wirtschaft geäußert.

Davon profitiert auch die Einkommenserwartung der Verbraucher. Dieser GfK-Wert stieg um sechs auf minus 3,3 Punkte. Für Rückenwind habe hier vor allem die sinkende Inflation gesorgt, erklärte die GfK. Dies wirke der sich langsam ausbreitenden Angst vor dem Jobverlust entgegen. "Allerdings ist davon auszugehen, dass mit der prognostizierten Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt auch diese Sorge stärker wird und die Einkommensaussichten auf eine große Belastungsprobe stellt."

ZEIT ONLINE

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