Konjunktur : Die Krise kommt näher

Der Deutsche Einzelhandelsverband schraubt seine Umsatzprognose für 2009 zurück - weil er einen Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet.

Maren Peters
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BerlinBerlin - Die Deutschen haben die Wirtschaftskrise bislang weitgehend ignoriert und fleißig eingekauft – doch das könnte sich nach Einschätzung des Deutschen Einzelhandelsverbandes HDE in den kommenden Monaten ändern. Mit dem erwarteten Anstieg der Arbeitslosigkeit im zweiten Halbjahr dürfte auch der Konsum eingeschränkt werden, erwarten die Händler – und nahmen die Umsatzprognose für das laufende Jahr daher vorsichtshalber zurück.

Statt, wie bislang, einen Umsatzrückgang von einem Prozent zu erwarten, rechnet die Branche jetzt mit einem Minus von zwei Prozent für 2009. „Damit würden wir uns immer noch im Rahmen der seit Jahren üblichen Schwankungen bei den Einzelhandelsumsätzen bewegen, wenn auch am unteren Ende“, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser am Mittwoch in Berlin (siehe Grafik).

Bislang haben die Einzelhändler wenig Grund zur Klage. Wider Erwarten legten ihre Umsätze im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent zu – und das schon zum dritten Mal in Folge. Die Unternehmen profitieren davon, dass das verfügbare Einkommen der Deutschen im ersten Quartal leicht gestiegen ist und außerdem die Preise stabil sind. Die Inflationsrate tendiert gegen Null und das wird nach Einschätzung von Experten auch noch eine Weile so bleiben.

Die Folge: Verbrauchern bleibt mehr Geld zum Ausgeben übrig. Das spiegelt auch der aktuelle Nürnberger Konsumklima-Index der Gesellschaft für Konsumforschung. Im Mai legte er zum ersten Mal seit Monaten wieder zu. Gleichzeitig stieg die Sparquote der Deutschen aber auf den Rekordwert von 15,3 Prozent des verfügbaren Einkommens. Das sei aber kein „Angstsparen“ angesichts der Krise, sondern ein Vorsorgesparen, meinte Sanktjohanser.

Dass die Deutschen sich die Kauflaune bislang nicht verderben ließen, liegt nach Einschätzung des HDE-Chefs auch am stabilen Arbeitsmarkt. Viele Firmen setzen ihre Mitarbeiter auf Kurzarbeit, statt sie zu entlassen. Der starke Einbruch ist daher bislang ausgeblieben. Für die nächsten Monate und besonders für 2010 sei aber mit einer deutlich schlechteren Entwicklung am Arbeitsmarkt zu rechnen, sagte Sanktjohanser. „Das wird dann auch den Einzelhandel spürbar treffen.“ Experten rechnen bis Ende 2010 mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland auf knapp fünf Millionen.

Sorgen macht den Händlern neben der steigenden Arbeitslosigkeit auch die Diskussion um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. „Nur mit konstant mehr netto in den Taschen können die Verbraucher mehr konsumieren“, warnte Sanktjohanser.

Für Berlin und Brandenburg haben die Händler unterschiedliche Erwartungen. In Berlin könnten die Umsätze in diesem Jahr ebenfalls um zwei Prozent zurückgehen, erwartet der Chef des regionalen Einzelhandelsverbandes, Nils Busch-Petersen. Für Brandenburg geht er dagegen von einem Minus von drei bis vier Prozent aus. Viel besser als erwartet seien insgesamt die Textil- und Lebensmittelumsätze, sagte der Verbandschef: „Die Leute essen, essen, essen.“

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