Wirtschaft : Konjunktur: Die Motorola-Dynastie

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Der High-Tech-Konzern Motorola pflegt eine für die Branche ungewöhnliche Tradition: Seit seiner Gründung 1928 besetzt der Galvin-Clan die Vorstandsetage. Der 51-jährige Christopher Brian ("Chris") Galvin (Foto: Jens Schicke), seit 1973 Vorstandschef (CEO), ist Enkel des Gründers Paul Galvin und Sohn des langjährigen CEO Robert. Chris Galvin hat sein gesamtes Berufsleben bei Motorola verbracht und den als "Galvin Manufacturing" gegründeten Telekom- und Halbleiterkonzern durch seine schwerste Krise begleitet. Der Einbruch des Chip-Marktes, die nachlassende Handy-Nachfrage und verspätet eingeführte Produkte haben Motorola zugesetzt. Seit Mai 2000 hat der Konzern mehr als 70 Prozent seines Marktwertes eingebüßt, 26 000 Arbeitsplätze stehen zur Disposition. Im April gab der Konzern erneut eine Gewinnwarnung heraus. Ob Chris Galvin mehr als ein Begleiter dieses Niedergangs war oder ob er als Krisenmanager Schlimmeres verhindert hat, darüber streiten die Beobachter. "Verspielt Chris Galvin das Erbe seiner Familie?", fragt die aktuelle "Business Week". Zu spät hat Galvin verstanden, dass der Mischkonzern Motorola zu schwerfällig für das schnelle Technologie-Geschäft geworden ist. Teure Experimente wie den Versuch, mit Iridium ein Satelliten-Telefonnetz aufzubauen, brach Galvin erst nach Jahren ab. Kritiker werfen dem Motorola-Chef vor, Arbeitsgruppen zu bilden, statt Probleme zu lösen. "Ich trage die volle Verantwortung für das, was mit Motorola passiert", sagt er selbstbewusst. Selbst die schärfsten Kritiker wagen ein Ende der Galvin-Dynastie nicht vorauszusagen.

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