Wirtschaft : Konjunktur: Die Weltwirtschaft wächst nur noch langsam

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wegen der Schwäche der Weltkonjunktur ihre Wachstumsprognose für die Euro-Länder gedämpft. Gleichzeitig sagte die US-Notenbank (Fed), dass sei keine Anzeichen für eine Erholung der amerikanischen Konjunktur sehe. Das reale Wachstum in der Euro-Region wird sich nach Einschätzung der Währungshüter 2001 spürbar verlangsamen und nur noch zwischen 2,2 und 2,8 Prozent liegen. Neue Handelskonflikte zwischen der EU und den USA brechen auf.

Im vergangenen Jahr wurden in der Euro-Region noch 3,4 Prozent Wirtschaftswachstum erreicht. Für 2002 rechnet die europäische Notenbank mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,1 bis 3,1 Prozent. Die Prognosen würden durch die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft erhebliche Risiken bergen, heißt es im jüngsten EZB-Monatsbericht. Die europäische Wirtschaft könnte sogar noch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden, "falls die weltwirtschaftliche Eintrübung ausgeprägter und länger als derzeit erwartet ausfällt". Es sei nicht auszuschließen, "dass sich das außenwirtschaftliche Umfeld weniger günstig als erwartet entwickeln könnte."

Auch in puncto Inflation äußern sich die Währungshüter inzwischen pessimistischer. Nun wird nicht mehr damit gerechnet, dass der Preisauftrieb bereits in den nächsten Monaten nachhaltig gedämpft werden kann. Daher dürfte die Inflationsrate auch im Jahresdurchschnitt über der EZB-Warnschwelle von zwei Prozent liegen. Anfang Mai hatten die Währungshüter noch die Erwartung geäußert, dass die Teuerungsrate bereits im Herbst unter zwei Prozent sinkt. Für 2002 wird eine Inflationsrate zwischen 1,2 und 2,4 Prozent prognostiziert.

Gleichzeitig sieht die Fed keine Signale für eine Erholung der amerikanischen Konjunktur. Die jüngsten Daten aus den Monaten April und Mai zeigten schwache Einzelhandelsumsätze, rückläufige Geschäfte des Gewerbesektors, nachlassende Bauaktivität und einen schwachen Agrarsektor, schrieb die Fed in ihrem "Beige Book" über die Wirtschaftsaktivität. "Der Bericht unterstreicht die Haltung der Fed, dass es zurzeit eher ein Rezessions- als ein Inflationsrisiko gibt", sagte Diane Swonk, Chefvolkswirtin der Bank One Corporation. Auf der Grundlages des "Beige Book" bestimmt der Offenmarktausschuss der Fed die Zinspolitik. Die nächste Sitzung des Ausschusses ist am 26. und 27. Juni. Analysten rechnen mit einer weiteren Zinssenkung für Tagegeld um 0,25 Prozent. Es wäre die sechste Senkung in diesem Jahr. Der Satz liegt zur Zeit bei vier Prozent. Das ist das niedrigste Niveau seit sieben Jahren.

In Japan schließt die Regierung einen Rückfall in die Rezession nicht mehr aus. Im fünften Monat in Folge stufte sie ihre Einschätzung zur Konjunktur nach unten und sprach von einer weiteren Verschlechterung. Die Möglichkeit sei sehr groß, dass die zweitgrößte Industrienation in eine Rezessionsphase eingetreten sei, erklärte ein Experte der Regierung.

Derweil treten neue Konflikte in der Handelspolitik zwischen den USA und Europa auf. Die Gespräche, die US-Präsident Bush mit den europäischen Staats- und Regierungschefs anläßlich des USA-EU-Gipfels am Donnerstag in Göteborg führte, dürften diese Konflikte auch nicht gelöst haben. Der kritischste Punkt auf der amerikanisch-europäischen Agenda ist die Stahlfrage. Anfang Juni hatte die US-Regierung angekündigt, bis Ende des Jahres prüfen zu lassen, ob die amerikanische Stahlindustrie durch Schutzzölle vor billigeren Stahlimporten aus dem Ausland geschützt werden kann. Die EU-Kommission reagierte prompt. Er sei enttäuscht über die amerikanische Haltung, erklärte Wettbewerbskommissar Pascal Lamy. Wenn es wirklich zu einer Abschottung des US-Marktes kommen sollte, will er untersuchen, inwieweit die Schutzzölle mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar sind. Nach Auffassung der Kommission bedeutet eine solche Maßanahme eine ernsthafte Beeinträchtigung des freien Weltmarktes für Stahl. Ganz abgesehen davon, dass europäische Unternehmen in einer solchen Situation ihren US-Absatzmarkt verlören, befürchtet die EU-Kommission auch eine Überschwemmung des europäischen Stahlmarktes durch die Weltproduktion. In den USA haben in den vergangenen zwei Jahren achtzehn Stahlunternehmen Konkurs gemacht. Verursacht wurde dies nach Auffassung der Bush-Administration durch die sinkenden Stahlpreise und die steigenden Importe. Stahllieferanten für den amerikanischen Markt sind vor allem Japan, Korea und die EU.

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