Wirtschaft : Konjunktur: "Die Zinsen kräftig anheben" (Interview)

Herr Angenendt[was muss die Europäische Zent]

Uwe Angenendt ist Chefvolkswirt der BHF-Bank.

Herr Angenendt, was muss die Europäische Zentralbank (EZB) gegen die Inflation tun?

Sie sollte die Leitzinsen am Donnerstag um einen halben Prozentpunkt erhöhen.

Warum gleich so deutlich?

Meines Erachtens erfordert dies die fundamentale Neueinschätzung der Preissituation. Die Inflationsrate im Euroraum liegt jetzt bei 2,4 Prozent, vor der letzten Zinserhöhung im Mai lag sie noch unter zwei Prozent. Die EZB ist von zwei Seiten unter Druck: Der Ölpreis ist außerordentlich hoch, der Euro sehr schwach, das verheißt nichts Gutes. In den nächsten Monaten könnte die Teuerungsrate sogar über 2,5 Prozent steigen. Da besteht die Gefahr, dass die Preiserwartungen in die nächsten Lohnrunden mit einfließen, also so genannte Zweitrundeneffekte die Situation verschärfen.

Würgt die EZB damit aber nicht die Konjunktur ab?

Nein, die Konjunktur ist stark genug, der Bremseffekt der Geldpolitik ist gering. Für Investitionen und Wachstum kommt es eher auf die langfristigen Zinsen an, und die sind - real gesehen, unter Abzug der Inflationsrate - sehr niedrig. Außerdem muss die EZB den Eindruck vermeiden, sie lasse die Dinge treiben und gehe nicht energisch genug gegen die Inflation vor.

Wird eine Zinserhöhung den Euro stärken?

Nicht sofort, aber wir rechnen damit, dass der Euro sich bis zum Jahresende der Dollarparität nähert. Das bisher noch starke Wachstumsgefälle zwischen den USA und dem Euroraum wird sich abschwächen. Zudem muss man sehen, dass der Vergleich mit den USA etwas verzerrt ist. Die Amerikaner rechnen beim Wachstum eine niedrigere Inflationsrate heraus, da sie preisdämpfende Effekte zum Beispiel bei Computern stärker berücksichtigen.

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