Konjunktur : Einzelhandel rechnet mit Umsatzplus

Angesichts des Konjunkturaufschwungs und zunehmender Kauflust der Verbraucher rechnet der Einzelhandel für dieses Jahr mit einem Umsatzplus von einem dreiviertel Prozent.

Düsseldorf - "Die Stimmung im Einzelhandel hat sich aufgehellt", sagte der Präsident des Branchenverbandes HDE, Hermann Franzen. So beurteilten in der aktuellen Konjunkturumfrage des Verbandes zwei Drittel der Händler ihre Lage als "mindestens befriedigend". Franzen nannte es allerdings "sehr bedauerlich", dass der Branche 2007 durch Steuererhöhungen und steigende Beiträge für das Gesundheitswesen "massiv Kaufkraft" entzogen werde. Zugleich plädierte der HDE-Präsident für "möglichst einheitliche Regelungen" beim Ladenschluss.

Zur aktuellen HDE-Umfrage sagte Franzen, die Erwartungen der Händler für das zweite Halbjahr seien "hoch gesteckt". 42 Prozent der Befragten gehen demnach davon aus, dass sich ihre Situation im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2005 verbessert; nur noch ein Fünftel erwartet eine Verschlechterung. Mit der Entwicklung ihres Umsatzes seien viele Händler im bisherigen Jahresverlauf zufrieden, sagte der HDE-Präsident. 39 Prozent verbuchten der Umfrage zufolge Umsatzsteigerungen, davon jeder dritte Händler sogar im zweistelligen Bereich.

Umsatzgewinner Unterhaltungselektronik

Zu den Umsatzgewinnern zählten laut Einzelhandelsverband allen voran Unternehmen der Unterhaltungselektronik. "Genau wie der Lebensmittelhandel profitierten sie von der Fußball-Weltmeisterschaft", sagte Franzen. Höhere Umsätze wurden auch in den Branchen Möbel, Uhren, Schmuck, Spielwaren und Heimwerkerbedarf erzielt. Einbußen verzeichneten dagegen die Verkäufer von Zweirädern, Büchern, Haushaltswaren, Pflanzen sowie kleine Fachgeschäfte des Fotohandels.

In der Debatte über die Freigabe der Ladenöffnungszeiten sprach sich Franzen für einheitliche gesetzliche Regelungen in den Bundesländern aus, die nach der Förderalismusreform nunmehr die Gesetzgebungskompentenz beim Ladenschluss besitzen. Der HDE plädiere dafür, "dass die Geschäfte die Freiheit bekommen, ihre Öffnungszeiten an allen Werktagen frei von rechtlichen Einschränkungen selbst zu bestimmen". Franzen zufolge planen derzeit 14 Länder die völlige Freigabe der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten an Werktagen. Nur im Saarland soll demnach das alte Ladenschlussgesetz weiter gelten; in Rheinland-Pfalz sollen die Geschäfte montags bis samstags um 22 Uhr schließen.

HDE-Chef gegen erweiterten Verkauf an Sonn- und Feiertagen

Mit Nachdruck sprach sich der HDE-Chef allerdings gegen jede Ausweitung des Verkaufs an Sonn- und Feiertagen aus. Die größte Gefahr für die Sonntagsruhe drohe "durch die Hintertür". Franzen warnte vor Bestrebungen, die bisher für Bahnhöfe, Tankstellen und Urlaubsorte bestehenden Ausnahmen vom Verbot des Sonntagsverkaufs deutlich auszuweiten.

Zugleich wies der Verbandspräsident Vorwürfe zurück, der Einzelhandel nutze die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung für vorzeitige Preisanhebungen. Dafür fehle "jeglicher empirischer Beleg". So habe der Anstieg der Einzelhandelspreise im August mit 0,9 Prozent weiterhin deutlich unter der allgemeinen Inflationsrate von 1,7 Prozent gelegen. "Ich bin davon überzeugt, dass es bis zum Ende des Jahres bei der moderaten Preisentwicklung bleiben wird", sagte Franzen. (tso/AFP)

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