Wirtschaft : Konjunktur: Europas Geldpolitiker schauen auf Preisstabilität

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Ganz bewusst haben sich die Architekten der EZB nicht am Vorbild der US-Geldpolitik orientiert. Die Stärke der D-Mark, der sozialpolitische Stabilitätserfolg, den die Deutsche Bundesbank in fünf Jahrzehnten vorzuweisen hatte, war Grund genug, sich die Deutschen zum Vorbild zu nehmen. Hauptziel der Europäer ist mithin auch heute noch, die innere und äußere Preisstabilität zu wahren. Das bedeutet, durch Zinsveränderungen auf eine akzeptable Preissteigerungsrate hinzuwirken, ohne die Gefahren von Wechselkursschwankungen für die Teuerung aus dem Auge zu verlieren. Konjunkturpolitik ist Sache anderer - der Wirtschafts-, Finanz- und Tarifpolitik. Natürlich wurde auch festgelegt, was akzeptable Preissteigerung bedeutet: Bei Teuerungsraten bis zu zwei Prozent im Euro-Raum darf - bis auf Widerruf - noch von Stabilität gesprochen werden. Klettern die Raten - wie in diesen Monaten - darüber hinaus, gibt es Handlungsbedarf. Dabei orientiert sich die EZB zum einen an der Geldmengenentwicklung. Denn die Theorie besagt, dass nur ein Gleichklang von Geldmengenentwicklung und Produktionspotenzial, also von monetärer und realwirtschaftlicher Größenordnung, in einem Wirtschaftsraum auf Dauer Stabilität beschert. Oder umgekehrt: Zuviel Geld führt zur Entwertung. Zum anderen orientiert sich die Behörde an einem Bündel von Konjunkturindikatoren, die Aufschluss über die Inflationsrate geben. Das Problem der EZB ist, dass sie diesen Hintergrund ihrer Entscheidungen der Öffentlichkeit bisher nicht hinreichend verständlich machen kann.

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