Wirtschaft : Konjunktur: Export bleibt Antriebskraft

Die florierende Weltwirtschaft und der schwache Euro treiben den deutschen Konjunkturmotor Export zu neuen Rekorden. Schon zur Halbzeit zeichnet sich ab, dass die deutschen Ausfuhren 2000 erstmals deutlich die Billionen-Marke überschreiten werden. Nach einem neuerlichen Plus von 12,2 Prozent auf 98,3 Milliarden Mark im Juni summieren sich die deutschen Ausfuhren in der ersten Hälfte dieses Jahres auf fast 564 Milliarden Mark. Das sind 17,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Diese Zahlen gab das Statistische Bundesamt bekannt. Weil parallel der Wert der Einfuhren um 20,4 Prozent auf 505 Milliarden DM kletterte, blieb allerdings der Handelsüberschuss mit 58,8 (Vorjahr: 60,6) Milliarden Mark hinter dem 99er Niveau zurück. Für das überdurchschnittliche Wachstum der Importe ist - neben der allgemeinen Konjunkturbelebung - ebenfalls die Euroschwäche verantwortlich, die wichtige Rohstoffe wie Öl und Importwaren deutlich verteuert hat.

Konjunkturexperten sind sich sicher, dass die Ausfuhren auch über das Jahresende hinaus auf Hochtouren laufen werden. "Wichtigste Antriebskraft für die Konjunktur bleibt der Export", sind sich die Volkswirte der Deutschen Bank sicher. Trotz eines etwas langsameren Wachstumstempos zählt die deutsche Wirtschaft damit zu den Gewinnern der weltwirtschaftlichen Entwicklung und der günstigen währungspolitischen Rahmenbedingungen: "Die deutschen Ausfuhren dürften im kommenden Jahr mit gut acht Prozent real (2000: zwölf Prozent) noch etwas stärker expandieren als der Welthandel, die deutsche Exportwirtschaft also nochmals leichte Marktanteilsgewinne verzeichnen." Die Konjunkturexperten der Dresdner Bank gehen dagegen davon aus, dass die Exporte nun auch die Binnenwirtschaft ankurbeln werden.

Die Erfolge der Exporteure können der seit der deutschen Einheit defizitären Leistungsbilanz allerdings nicht auf die Beine helfen. In diesem übergeordneten Zahlenwerk werden neben dem Handelsüberschuss von insgesamt knapp 59 Milliarden Mark vor allem Dienstleistungen (Tourismus), Übertragungen sowie Erwerbs- und Vermögenseinkommen erfasst. Unter dem Strich fiel das Leistungsbilanzdefizit mit 14,5 (Vorjahr: 8,3) Milliarden Mark größer aus als in der ersten Jahreshälfte 1999. Dabei schlugen vor allem das traditionell hohe Minus in der Dienstleistungsbilanz - insgesamt 42,9 (37,1) Milliarden Mark - und ein Defizit bei den Übertragungen von 23,2 (20,6) Milliarden Mark zu Buche.

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