Konjunktur : EZB sieht Inflationsgefahr

Die Europäische Zentralbank sieht eine steigende Gefahr durch Inflation für den Euro-Raum. Daher deuten die Währungshüter zum Ende des Jahres eine Erhöhung der Leitzinsen an.

Frankfurt/MainDie Europäische Zentralbank (EZB) hat eine weitere Zinserhöhung in den nächsten Monaten angedeutet. Es gebe nach wie vor Inflationsgefahren in den 13 Euro-Ländern, schreibt die Zentralbank in ihrem Monatsbericht. Die Notenbank werde diese genau beobachten. Als wichtigste Preisrisiken sieht die EZB überzogene Lohnabschlüsse, unerwartete Steuererhöhungen und steigende Ölpreise. Die Inflationsrate dürfte laut EZB zwar in den kommenden Monaten leicht sinken, zum Jahresende sollte sie jedoch wieder merklich anziehen.

Ökonomen erwarten im September oder Oktober eine Zinserhöhung von 4,0 auf 4,25 Prozent. Nach gängiger Meinung wird der wichtigste Leitzins bis zum Jahresende auf 4,5 Prozent steigen, das wäre der höchste Wert seit mehr als sechs Jahren. Vor einer Woche hatte die EZB den Leitzins wie erwartet unverändert gelassen. Seit Ende 2005 hat die Notenbank den Zins in acht Schritten auf das derzeitige Niveau von vier Prozent verdoppelt. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Unternehmen; zugleich werden Sparguthaben besser verzinst.

Banken gaben Zinsen rasch weiter

Die Banken haben die höheren Leitzinsen nach Einschätzung der EZB bislang schneller als in früheren Zyklen an die Kunden weitergegeben. Das gelte für kurzfristige Kredite an Unternehmen und für Hypothekenzinsen für Firmen und Verbraucher. Dies hänge mit der starken Nachfrage nach solchen Krediten in jüngster Zeit und dem starken Wettbewerb der Banken untereinander zusammen, schreiben die Währungshüter. "Im Großen und Ganzen" scheine die Transmission der Geldpolitik über die Bankzinssätze so zu funktionieren wie in der Vergangenheit. Verbraucherschützer beklagen immer wieder, dass die Banken höhere Leitzinsen mit Verspätung und in geringerem Maße an die Kunden weitergeben, um ihren Gewinn zu steigern.

Für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone zeigt sich die Notenbank weiterhin optimistisch. Auch im zweiten Quartal sei die Konjunktur robust gewachsen, die Unternehmen investierten und der private Konsum belebe sich. (mit dpa)

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