Konjunktur : Glauben an den Aufschwung

Einer Umfrage der Wirtschaftsjunioren Deutschlands zufolge halte 79 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz für sicher. Im Vorjahr waren es nur 46 Prozent gewesen.

Juliane Schäuble

Berlin - Die Deutschen haben wieder Vertrauen in die Wirtschaft gefasst. Knapp zwei Drittel der Bundesbürger erwarten, dass sich der Aufschwung auch im kommenden Jahr fortsetzt, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Wirtschaftsjunioren Deutschland ergab. Im Vorjahr waren es nur 46 Prozent gewesen. Auch halten 79 der mehr als 11 000 Befragten ihren Arbeitsplatz für sicher – ein Jahr zuvor waren nur 68 Prozent dieser Auffassung gewesen.

„Das sind die positivsten Ergebnisse, die wir auf diese Fragen je bekommen haben“, sagte Kirsten Hirschmann, die Vorsitzende des Verbandes junger Unternehmer und Führungskräfte, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Deutschland ist alles andere als ein Land von Schwarzsehern und notorischen Kritikern.“ Der Aufschwung werde nicht als Erfolg der Bundesregierung gewertet, sondern anderen Faktoren zugeschrieben, wie den Anstrengungen der Wirtschaft oder dem eigenen Verzicht, sagte Hirschmann weiter. Die große Koalition erhalte zur Halbzeit der Legislaturperiode nur die Note „schwach befriedigend“. Zudem ist Deutschland nach wie vor zweigeteilt: Der Optimismus nahm auch in Ostdeutschland zu, bleibt aber hinter dem Westen zurück.

Auch die Erwartungen hinsichtlich der persönlichen Aussichten hinken dem Aufwärtstrend hinterher. Zwar ist der Anteil derer, die damit rechnen, in Zukunft weniger Geld in der Tasche zu haben, von 38 auf 24 Prozent gesunken. Aber lediglich 24 Prozent (nach 19 Prozent im Vorjahr) glauben an mehr finanziellen Spielraum, wie aus der im Mai durchgeführten Umfrage hervorgeht. Ein Grund für diese Skepsis liegt laut Hirschmann in steigenden Kosten für Gesundheits- und Altersvorsorge, aber auch für Wohnung oder Haus. Daher wollen für kurzfristigen Konsum, Urlaub und Freizeit auch weiterhin relativ wenige Bürger (17, 18 und 14 Prozent) mehr ausgeben – ein Anstieg von je zwei Prozent.

Dass sich der gefühlte Aufschwung nur schleppend auf das Ausgabeverhalten niederschlägt, belegen auch Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Im Juli hatten demnach sogar weniger Verbraucher als im Vormonat angegeben, dass sie eine finanzielle Besserung ihrer Situation erwarten. Auch der Umsatz des Einzelhandels stagniert nach Angaben des Branchenverbandes HDE. Nach einem enttäuschenden ersten Halbjahr hofft der Handel auf steigende Umsätze in der zweiten Jahreshälfte.

Überraschend positiv sehen die von den Wirtschaftsjunioren Befragten die Globalisierung. Wurde diese in den vergangenen Jahren eher als Bedrohung eingestuft, wird sie nun überwiegend positiv beurteilt: Nur noch 39 Prozent sehen Deutschland als Globalisierungsverlierer, 2006 waren es 57 Prozent gewesen.

Doch die Wirtschaftsjunioren warnen vor zu viel Euphorie. Eine Folge der gefühlten Arbeitsplatzsicherheit sei, dass immer weniger Menschen bereit seien, Einschnitte wie Mehrarbeit oder Lohneinbußen in Kauf zu nehmen. „Die aktuell gute Konjunktur täuscht offensichtlich über die weiterhin bestehenden Probleme hinweg“, warnte Hirschmann. Notwendige Reformen müssten weiter vorangetrieben werden. Juliane Schäuble

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