Wirtschaft : Konjunktur: Gute Aussichten in Europa werden Euro stützen

bir

Wenn die Europäische Zentralbank am Donnerstag zusammenkommt und an der Zinsschraube dreht, wird dies nicht nur mittelfristig die Preissteigerung im Euro-Raum beeinflussen. Auch das Wechselkursverhältnis zwischen Euro und Dollar wird davon betroffen sein. Die Frage ist nur, wie stark. "Von einer möglichen Zinserhöhung wird man beim Dollar-Euro-Kurs kurzfristig nur wenig merken", meint der Chef-Volkswirt der Dresdner Bank Klaus Friedrich. Zwar würde sich bei einem Zinsschritt der EZB der Zinsabstand zu den USA verringern, da die US-Notenbank üblicherweise kurz vor den Präsidentschaftswahlen geldpolitischen Maßnahmen mehr ergreift, gleichwohl würde ein kleiner Zinsschritt von beispielsweise 25 Basispunkten auf 4,5 Prozent noch lange nicht internationale Anleger im großen Stil nach Europa locken. Dazu bedürfe es mehr. Dazu müsse sich das wirtschaftliche Umfeld für Investitionen weiter verbessern.

Nicht umsonst ist seiner Ansicht nach das internationale Kapital in den vergangen Monaten verstärkt in die Vereinigten Staaten geflossen. Dort lockten und locken nicht nur hohe Unternehmensgewinne in innovativen Branchen. Den Amerikanern sei es auch gelungen, bei Wachstumsraten von fünf bis sechs Prozent die Preissteigerung in den Griff zu bekommen und ihren Staatshaushalt zu sanieren.

Europäer und Japaner haben deshalb in der Vergangenheit gerne Aktien an der Wall Street erworben (Portfolioinvestitionen), direkt ein Unternehmen gekauft oder ein eigenes Unternehmen in USA aufgebaut (Direktinvestitionen). Infolge dieser kräftigen Kapitalimporte hat der Dollar in den den vergangenen Monaten kräftig zugelegt und der Euro seit seinem Start rund zwanzig Prozent gegenüber dem Dollar verloren.

Diese hohen Kapitalimporte haben es den Amerikanern auch möglich gemacht, ihr wachsendes Leistungsbilanzdefizit problemlos zu finanzieren. Seit Jahren schon importieren die USA mehr, als sie selbst exportieren. Mittlerweile macht das Defizit rund vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Amerikaner aus. Eine Größenordnung, bei der sich manche Ökonomen die Frage stellen, ob dies tragbar ist . Nach Ansicht Friedrichs ist das Leistungsbilanzdefizit aber "nicht weiter tragisch", da es sich auch in nächster Zukunft leicht finanzieren lasse. Mittelfristig könnte dies aber schwieriger werden.

Denn in Europa zieht die Konjunktur wieder an. "Hier ist die Lage besser als die Stimmung", sagt der Ökonom im Hinblick auf die jüngsten Konjunkturdaten. Zwar seien die Wirtschaftsdaten im zweiten Quartal ganz leicht zurückgegangen, insgesamt bewegte sich Europa und die größte Volkswirtschaft im Euroraum, Deutschland, auf dem aufsteigenden Ast.

Wenn sich die Wachstumsraten in den USA und Europa annäherten, so die Prognose der Dresdner Bank, könnten sich die Kapitalströme etwas von den USA weg bewegen. "Der Wechselkurs zum Euro würde sich damit etwas entspannen", sagt Dresdener-Bank Volkswirtin Petra Köhler. So rechne die Bank bis zum Jahresende mit einem Wechselkurs von 1 zu 1 zwischen Dollar und Euro.

Da die Konjunktur in den USA aber nicht völlig einbrechen werde, sondern sich allenfalls etwas verlangsamen werde, gehe die Bank nicht von einem völligen Umschwenken der Kapitalströme und einem Einbruch des Dollarkurses aus. Vielmehr werde es sich um ein leichtes Umschwenken handeln. Damit würde aber bei etwas geringerem Wachstum in den USA und einem schwächeren Dollar auch das US-Leistungsbilanzdefizit abnehmen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben