Wirtschaft : Konjunktur: Holger Wenzel im Gespräch

Das Interview führte Margarita Chiari

Holger Wenzel ist Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE).

Herr Wenzel, die Industrie sieht düstere Wolken am Konjunkturhimmel, im Handel laufen die Geschäfte gut. Ist die Lage besser, als man uns glauben machen will?

Man muss sehen, dass der Handel aus einem tiefen Tal kommt. Wenn ich, wie die Industrie, an stetig hohe Zuwachsraten gewohnt bin, reicht ein Knick, um von düsteren Wolken zu sprechen. Der Handel aber hat seit 1992 keine Umsatzsteigerungen mehr verbucht. Wenn wir nun nach den ersten acht Monaten ein Umsatzplus von 2,6 Prozent verzeichen, ist das schon ein Hoffnungsschimmer. Das heißt aber nicht, dass es allen Betrieben besser geht. In einigen Bereichen, wie Unterhaltungselektronik oder Sportartikel, laufen die Geschäfte gut, in anderen weniger.

Ist es aber nicht ein Zeichen, dass die Nachfrage im Inland zur Konjunkturstütze wird?

Das muss man vorsichtig betrachten. Unsere 2,6 Prozent Umsatzzuwachs, die sich bis zum Jahresende wohl auf zwei Prozent einpendeln werden, sind noch keine tragende Konjunkturstütze. Der Verbraucher reagiert sehr sensibel. Die Preise sind bislang stabil, doch das wird nicht so bleiben. Der schwache Euro, die verteuerten Importe, die höheren Ölpreise - das alles könnte das Bild sehr schnell wieder trüben. Die Heizrechnungen kommen erst in einigen Monaten.

Rechnen Sie mit Preiserhöhungen?

Sicher verteuert der schwache Euro die Importe. Hinzu kommen die Ölpreise. Auf Dauer wird der Handel dies - trotz der harten Konkurrenz - nicht auf seine eigenen Kosten ausgleichen können. In der Tendenz werden die Preise im nächsten Jahr sicher leicht nach oben gehen.

Also doch kein Optimismus?

Ich habe die Sorge, dass die höheren Spritpreise und Heizungskosten den positiven Effekt der Steuerentlastung im kommenden Jahr zunichte machen. Noch haben wir eine Wellblech-Konjunktur. Es wäre sicher sinnvoll, wenn die Regierung die nächsten Stufen der Steuerreform jetzt vorziehen würde. Der Zeitpunkt ist günstig. Die Wolken am Konjunkturhimmel würde das schnell vertreiben.

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