Wirtschaft : Konjunktur: Ifo erwartet geringers Wirtschaftswachstum

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Trotz spürbarer Stimulation durch die Steuerreform gehen die Wirtschaftsforscher des Münchner Ifo-Instituts für 2001 von einem in Deutschland gedämpften Wirtschaftswachstum aus. Statt noch im Herbst vorausgesagter 2,7 Prozent Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wachse die Wirtschaft 2001 wohl nur mit 2,5 Prozent, schätzte Ifo-Experte Willi Leibfritz. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hingegen bleibt für das kommende Jahr ungeachtet der Abkühlung der Weltwirtschaft zuversichtlich. Das IWH schließt sich nach seiner Prognose vom Mittwoch "nicht der neuen Welle des Konjunkturpessimismus" an. Neben Anzeichen für eine Verschlechterung gebe es auch Hinweise auf eine Besserung. Das Institut rechnet für 2001 mit einem Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes um 2,7 Prozent und bleibt damit bei der Vorhersage des Herbstgutachtens.

Auch das Ifo-Institut gesteht zu, dass Deutschland nach 3,0 Prozent Plus dieses Jahr in einem anhaltenden Aufschwung bleibe. Denn auch für 2002 rechnet Ifo mit einer Verbesserung des BIP um rund 2,5 Prozent. Hauptverantwortlich für die nicht mehr so optimistischen Annahmen sei ein global, speziell in den USA schwächeres Wirtschaftswachstum. Dieses Jahr lege der Welthandel um 12,5 Prozent zu, 2001 wohl noch um 8,5 Prozent. Das schwächt deutsche Exporte. Dem entgegen wirke 2001 die geplante Steuersenkung, die netto 45 Milliarden Mark freisetze. Dies könne den gedrosselten Export aber nicht kompensieren, glauben die Ifo-Forscher, die bei ihrer Prognose einen unveränderten Wechselkurs zwischen Euro und Dollar annehmen, weil sie dessen Veränderung für 2001 nicht vorhersagen können. Falls der Euro zum Dollar aber um zehn Cent steigt, koste das 0,1 Prozentpunkte vom BIP-Wachstum, räumte Leibfritz ein.

Getragen vom Wirtschaftswachstum sinke die heimische Arbeitslosenquote 2001 von dieses Jahr im Schnitt 9,2 Prozent auf 8,6 Prozent und 2002 weiter auf 8,1 Prozent. Dadurch werde die Arbeitslosenzahl hier zu Lande von heute 3,9 Millionen Menschen bis 2002 auf 3,4 Millionen Personen abnehmen und die Bundesregierung damit ihr Ziel von unter 3,5 Millionen Arbeitslosen erreichen. Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit sei jetzt weitgehend abgebaut. Nun müsse die Politik die strukturelle Komponente mit weiteren Reformen bekämpfen. Vor allem Ostdeutschland leide weiter unter Strukturproblemen und entferne sich seit 1996 wieder vom westdeutschen Produktivitätsniveau. Die Inflation sinke in Deutschland nach 1,9 (Vorjahr 0,6) Prozent in diesem Jahr 2001 und 2002 wieder auf jeweils 1,5 Prozent ab, schätzt Ifo. Auch der Ölpreis werde bröckeln. Der Europäischen Zentralbank (EZB) empfiehlt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, höhere Inflationsraten von etwa 2,5 Prozent zu tolerieren. Derzeit liege diese Grenze bei 2,0 Prozent. Einen Grund für Zinserhöhungen habe die EZB nicht.

Auch das IWH sieht eine weitere Entlastung des Arbeitsmarktes. Die Arbeitslosigkeit dürfte sich nach Einschätzung der Forscher im Jahresdurchschnitt auf etwa 3,61 Millionen verringern. Allerdings bleibt die Arbeitslosenquote mit 17,5 Prozent im Osten mehr als doppelt so hoch wie im Westen. Dort rechnen die Forscher mit einem Rückgang auf 6,7 Prozent. Unter dem Strich werde die Konjunktur 2001 in der Grundtendenz eine langsamere Gangart einschlagen, sagten auch die IWH-Ökonomen voraus. Die nachlassende Exportdynamik dürfte spürbar auf das Investitionsgeschehen übergreifen. Positiv verbuchen die Forscher dagegen die erwartete Stärkung der Inlandsnachfrage durch die Steuerreform. Zudem dürfte der Ölpreis schneller als erwartet zurückgehen, und der Euro scheine sich zu stabilisieren. Beides nehme Druck von den Preisen. Der Nachfrageimpuls im Inland vor allem durch die Steuerentlastung der privaten Haushalte werde der gesamtwirtschaftlichen Produktion 2001 zunächst neuen Auftrieb geben. Mit seinem Auslaufen werde sich der Zuwachs des BIP später im Jahr aber verringern. Insgesamt sollen die Binnenwirtschaft ihren Anteil am Aufschwung aber erhöhen.

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