Wirtschaft : Konjunktur: Ifo erwartet nur noch 1,2 Prozent Wachstum

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Der Wachstumspessimismus für die diesjährige Entwicklung der deutschen Wirtschaft hat mit einer neuen Konjunkturprognose des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung einen Tiefstand erreicht. Die Wachstumsrate werde 2001 voraussichtlich von drei auf 1,2 Prozent sinken, sagte Ifo-Präsident Hans- Werner Sinn bei einer Jahresversammlung des Instituts in München voraus. Andere Forscher waren bislang nach mehreren Korrekturen nach unten noch im Schnitt von 1,5 Prozent, mindestens aber 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum, ausgegangen.

Bereits im Mai hatte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, erklärt, das Wachstum könne im Verlauf des Jahres unter zwei Prozent sinken. Während die Institute aus Essen, Halle und Hamburg ihre Prognosen auf 1,7 Prozent senkten, prognostizierte das Kieler Institut für Weltwirtschaft nur noch 1,3 Prozent. Im kommenden Jahr soll das Wirtschaftswachstum hier zu Lande aber wieder auf 2,2 Prozent steigen, sagte Sinn am Dienstag.

Angesichts der vorläufig mageren Impulse für den Arbeitsmarkt würde die Bundesregierung, die für dieses Jahr offiziell weiter von zweiprozentigem Wachstum ausgeht, die Zahl der Arbeitslosen bis Herbst 2002 nicht wie geplant unter 3,5 Millionen Menschen drücken können. Ifo sieht die Zahl der Arbeitslosen im laufenden Jahr und auch 2002 nahezu unverändert bei 3,8 Millionen Personen. In diesem Herbst werde das Vorjahresniveau voraussichtlich sogar wieder leicht übertroffen. Ein Jahr später soll die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt immer noch 3,7 Millionen Menschen betragen. Die Arbeitslosenquote würde demnach nur leicht von 9,2 Prozent im Vorjahr auf dieses Jahr im Schnitt 9,0 Prozent und 2002 rund 8,9 Prozent sinken. Gegenwärtig habe die deutsche Wirtschaft ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht, fürchtet Sinn. Es drohe zwar keine allgemeine Rezession, allerdings sei Deutschland nahe einer Stagnation. Da im gesamten Euroraum das Bruttoinlandsprodukt 2001 knapp 1,9 Prozent und 2002 rund 2,4 Prozent betragen dürfte, bleibt Deutschland für Sinn auf absehbare Zeit "das Schlusslicht im Euro-Zug". Den Grund für diese Wachstumsschwäche sieht er zum einen in der anhaltenden Rezession am Bau und den ostdeutschen Strukturproblemen. Zudem verlaufe die Binnennachfrage trotz der jüngsten massiven Steuersenkung flau, weil die aktuell hohe Inflationsrate viel Kaufkraft absauge. Zudem bremse die zurzeit schwache Weltkonjunktur die Auslandnachfrage.

Hoffnung auf kurzfristige Besserung hat das Ifo-Institut kaum. Für das zweite Halbjahr 2001 sehen die Münchner Forscher für Deutschland und den Euroraum lediglich einen "sehr moderaten" Konjunkturaufschwung voraus.

Das gegenwärtige Zinsniveau in Europa ist nach Einschätzung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, angemessen. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf die "mittelfristige Sicherung der Preisstabilität in Europa", sagte Duisenberg auf der Vollversammlung des Instituts. Trotz wachsender Konjunktursorgen hatte die EZB die Leitzinsen bei ihrer Sitzung in der vergangenen Woche in Dublin unverändert gelassen. Nach Einschätzung des ifo Instituts werden die Währungshüter die Leitzinsen aber noch vor der Sommerpause um einen viertel Prozentpunkt senken. Zuletzt hatte die EZB alle drei Leitzinsen Anfang Mai um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Der wichtigste Zinssatz liegt seitdem bei 4,5 Prozent.

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