Konjunktur : IWF sieht höheres Wachstum in Deutschland

Ungeachtet des weiterhin hohen Ölpreises und der daraus resultierenden Inflationsgefahren sieht der Internationale Währungsfonds die deutsche wie auch die weltweite Konjunktur im Aufwind.

Singapur - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hob seine Wachstumsprognose für Deutschland für dieses Jahr deutlich auf zwei Prozent an, wie aus dem Halbjahresbericht hervorgeht. Im kommenden Jahr rechnet der IWF wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland mit einer Abschwächung des Wachstums auf 1,3 Prozent. Das ist aber immer noch mehr als bisher vorhergesagt. Auch weltweit sieht der IWF die Entwicklung positiver als bisher.

Bei der Vorlage seines Frühjahrs-Berichts im April hatte der IWF für Deutschland noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent vorausgesagt, nun hob er seine Prognose deutlich um 0,7 Punkte an. Für das kommende Jahr rechnete die Organisation bisher mit einem Prozent statt nun 1,3 Prozent. Damit ist der IWF deutlich optimistischer als die Bundesregierung, die offiziell von einem Wachstum von 1,6 Prozent in diesem und 1,0 Prozent im kommenden Jahr ausgeht. Noch positiver als der IWF sieht die EU-Kommission die Entwicklung: Sie sagt sogar ein Wachstum von 2,2 Prozent in diesem Jahr für Deutschland vorher.

Deutschland Konjunkturlokomotive für die Eurozone

Mit den guten Zahlen erweist sich Deutschland laut IWF auch als Konjunkturlokomotive für die Eurozone: Für die zwölf Euro-Länder sagt der IWF ein Wachstum von 2,4 Prozent in diesem Jahr voraus, das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als bisher prognostiziert. Sollte die Prognose zutreffen, wäre es das beste Jahr für den Euroraum seit 2000, als durch den Internet-Boom ein Wachstum von 3,9 Prozent erreicht wurde. Im kommenden Jahr dürfte die deutsche Mehrwertsteuererhöhung aber laut IWF auch das Eurozonen-Wachstum belasten, das sich auf zwei Prozent abschwächen soll.

Als Vorbild für die Eurozone nennt der IWF Großbritannien. Die Insel, wo nach wie vor mit der nationalen Währung gezahlt wird, kann sich demnach in diesem und im kommenden Jahr über ein robustes Wachsum von 2,7 Prozent freuen - deutlich mehr als die anderen großen Industriestaaten der Eurozone vorzuweisen haben. Als Grund nennt der IWF eine hohe Produktivität und erfolgreiche Arbeitsmarktreformen. Die Europäische Zentralbank (EZB) rief der IWF zur Vorsicht bei Leitzinserhöhungen auf, die Investitionen verteuern und damit als Konjunkturbremse wirken können. Die EZB hatte den Leitzins seit Dezember vier Mal auf derzeit 3,0 Prozent angehoben, um dem Auftrieb der Verbraucherpreise entgegenzuwirken. Die Inflation liegt in vielen EU-Staaten über der von der EZB tolerierten Marke von zwei Prozent. In Deutschland war sie im August wieder auf 1,7 Prozent gefallen.

Konjunkturdelle für die USA

Weltweit erwartet der Währungsfonds in diesem Jahr 5,1 Prozent Wachstum statt bisher 4,8 Prozent. Die Weltwirtschaft zeige sich relativ unanfällig für Gefahren wie den hohen Ölpreis oder die in vielen Industriestaaten steigende Inflation. Der Preis für das Fass Öl dürfte sich im kommenden Jahr laut IWF bei 70 bis 75 Dollar einpendeln; damit hat sich der Rohstoff seit Ende 2003 mit damals 33 Euro mehr als verdoppelt.

Eine Konjunkturdelle sagt der IWF im kommenden Jahr für die USA als weltweit größte Volkswirtschaft voraus. Das US-Wachstum soll sich von 3,4 Prozent in diesem auf 2,9 Prozent im kommenden Jahr abschwächen. Als Grund nennen die Experten vor allem Probleme auf dem US-Immobilienmarkt wie eine deutlich rückläufige Zahl der Hausverkäufe. Ungebrochen ist der Boom dagegen im Schwellenland China: Hier erwartet der IWF in diesem wie im kommenden Jahr ein Anwachsen des BIP um zehn Prozent. (tso/AFP)

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