Wirtschaft : Konjunktur: Kommentar: Schröders Aufschwung ist passé

Martina Ohm

Gerhard Schröder war noch nicht Bundeskanzler, da reklamierte er bereits den nächsten Aufschwung für sich. Zwei Jahre konnte er sich auf eine vergleichsweise robuste Konjunktur verlassen. Inzwischen aber hat sich das Blatt gewendet. Gleich reihenweise revidierten die Ökonomen in den vergangenen Wochen die Prognosen für das laufende Jahr nach unten. Die Schwäche der US-Wirtschaft bleibt auch für Deutschland naturgemäß nicht ohne Folgen. Doch bislang ignoriert die Regierung die Tatsache beharrlich. So einfach will sich das Kanzleramt die Stimmung nicht verderben lassen. Copyright für den Abschwung? Nein danke. Ob die Vogel-Strauß-Politik ernsthaft hilft? Keine Frage, Deutschland ist weit weg von einer Rezession und doch kann schon eine Konjunkturdelle die Regierung in neue Erklärungsnöte bringen. Lässt die Dynamik nach, fehlen dem Bundesfinanzminister bald nennenswerte Steuereinnahmen. Vor allem aber bedeuten einige Prozentpunkte weniger Wachstum auch weniger Chancen für die Beschäftigung - was wiederum den Kanzler in die Klemme bringt. Denn ein Wachstum von 2,5 Prozent gehört zu den Voraussetzungen, damit überhaupt neue Jobs entstehen können. Die meisten Gutachter freilich bezweifeln, ob die deutsche Wirtschaft diese Messlatte dieses Jahr überhaupt nehmen kann. Auch das Frühjahrsgutachten am Dienstag wird diesen Tenor aufweisen. Die Reaktionen darf man sich jetzt schon ausmalen. Wer weder von der Finanz- noch von der Tarifpolitik schnelle Erfolge erwarten kann, wird die Geldpolitiker stärker in die Pflicht nehmen.

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