Wirtschaft : Konjunktur legt im Osten eine Pause ein

Seit Anfang des Jahres veröffentlicht der Tag

Westen erholt sich jedoch weiter / Solides Auftragsplus im verarbeitenden Gewerbe / Nachfrage nach Konsumgütern stagniertSeit Anfang des Jahres veröffentlicht der Tagesspiegel in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt einmal monatlich eine Konjunkturkolumne.Abgestimmt mit der Wirtschaftszeitung, die Prognoseinstrumente für West- und Ostdeutschland entwickelt hat, werfen wir einen Blick auf die gesamtdeutsche Wirtschaftslage.

Die Konjunktur in Deutschland erholt sich weiter.Der Handelsblatt-Frühindikator für den Westen kletterte im November um 0,2 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent.Damit liegt er seit sechs Jahren erstmals wieder über drei Prozent.Der auf fünf Parametern basierende Indikator zeigt frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte an.Er eilt der gesamtwirtschaftlichen Produktionsentwicklung voraus und zeigt so saisonbereinigte Trends des realen Bruttoinlandsprodukts an.Die flotte Konjunktur dürfte sich demnach fortsetzen, es mehren sich die Zeichen für einen anhaltenden Wachstumstrend.Im Verarbeitenden Gewerbe ist das Geschäftsklima günstig, und die Investitionsnachfrage belebt sich ­ einzige Ausnahme die Binnennachfrage.Die Unternehmen setzen weiter aufs Ausland, ihre Erwartungen an den Export sind laut Angaben des Ifo-Instituts im September erneut gestiegen.Die allgemeine Geschäftslage beurteilten sie ebenfalls optimistischer als einen Monat zuvor.Nur ihre zukünftigen Geschäfte bewerten sie etwas schlechter ­ Folge der gescheiterten Steuerreform und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit.Gut schneidet das Verarbeitende Gewerbe ab.Dort kletterten die Auftragseingänge im August saisonbereinigt um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Nachfrage nach Investitionsgüter und Vorleistungsgütern legte noch mehr zu, nur Konsumgüter sind nicht so gefragt.Das zeigt sich in den schwachen Einzelhandelsumsätzen, die saisonbereinigt unter dem Niveau des Jahresbeginns lagen.Relativ unabhängig von der Konjunktur kaufen die Verbraucher nur Autos.Im Juli und August setzten die Firmen noch einmal acht Prozent mehr Fahrzeuge ab, verglichen zum zweiten und dritten Quartal.Dagegen verschmähen die Verbraucher weiterhin Möbel und Kleidung.Insgesamt beurteilen die Einzelhändler laut Ifo-Institut ihr aktuelles und zukünftiges Geschäft weiter sehr pessimistisch.Ähnlich mau sieht es auf dem Bau aus.Nach einem kurzen Zwischenhoch im Juli ging die Nachfrage im Wohnungsbau im August stark wieder zurück, und liegt jetzt um 18 Prozent unter dem Vorjahreswert.Der Tiefbau stagniert.Dennoch liefern die Firmen Impulse: Sie investieren in neue Hallen und Gebäude; die Order im Wirtschaftsbau kletterten im August um 3,2 Prozent. Dabei steigen auch die Zinsen.Der Drei-Monatszins Fibor ­ der Durchschnittsatz der Banken, zu dem sie bereit sind, Unternehmen Geld zu leihen ­ legte im September um 0,04 Punkte auf 3,31 Prozent zu.Die durchschnittliche Umlaufrendite für festverzinsliche Wertpapiere verharrte zwar bei 5,1 Prozent, hat aber ihren Tiefststand überschritten. Im Osten hat die Konjunktur dagegen eine Pause eingelegt.Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe lagen im August um gut drei Prozent unter Vorjahresniveau, nach den saisonbereinigten Zahlen der Bundesbank sank die Nachfrage ebenfalls gegenüber dem Vormonat.Die Firmen nutzen ihre Maschinen weniger, die Auslastung der Kapazitäten sank um 0,8 Punkte gegenüber dem Vorquartal.Vermutlich sind für diese Daten allerdings Sonderfaktoren verantwortlich: So wurden etwa die Ferientermine gegenüber dem Vorjahr verschoben.Im Durchschnitt der Monate Juli und August verharrte die Nachfrage auf dem Niveau des zweiten Quartals.Der Konjunkturbarometer des Handelsblatts für den Osten ­ es funktioniert wie der Frühindikator, nur mit anders gewichteten Einzelindikatioren, kletterte im Oktober weiter um 0,2 Punkte auf 7,2 Prozent. Für einen weiter positiven Trend spricht die steigende Stimmung unter den Kaufleuten, die laut Ifo-Angaben im September deutlich zugelegt hat.Die westdeutsche Konjunkurerholung könnte auch der ostdeutsche Wirtschaft auf die Sprünge helfen: Beide Wirtschaftsregionen hängen inzwischen in weiten Bereichen voneinander ab.Anders als im Westen beurteilen die Einzelhändler im Osten ihre Geschäftslage und die Zukunft nicht so pessimistisch.Laut Ifo-Angaben hat sich die Stimmung sprunghaft gebessert ­ allerdings schwankte die Stimmung in den letzen Monaten stark.Viele hoffen vermutlich auf Weihnachten und den Nachholbedarf der Kunden.Sehr mau sieht es auf dem Bau aus.Dort lag die Nachfrage im August um 12 Prozent unter dem Vorjahreswert, wobei Wohnungs- und Tiefbau nach wie vor besonders schlecht abschnitten.

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