Konjunktur : Nur nach oben

Euro und Öl werden immer teurer - ein Ende dieser Entwicklung ist vorerst nicht in Sicht. Warum die Rekorde an den Märkten wenig Laune machen.

Carsten Brönstrup,Rolf Obertreis
Leitern
Wie hoch geht es noch? -Foto: Imago

Berlin/Frankfurt am Main - Der Euro-Wechselkurs hat am Mittwoch erstmals die Marke von 1,50 Dollar übersprungen. Damit ist die europäische Gemeinschaftswährung so teuer wie noch nie seit der Einführung vor mehr als neun Jahren. Zugleich erreichte das Öl einen Rekordpreis – ein Fass (159 Liter) wurde in New York für 102,08 Dollar gehandelt. Einen Höchststand gab es zugleich beim Gold: Das Edelmetall kostete in London zeitweise 964 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Dies wirft viele Fragen auf.

Warum wird der Euro immer stärker?

Die USA und Europa entwickeln sich derzeit in unterschiedliche Richtungen. Während die US-Wirtschaft infolge der Finanzkrise langsamer läuft, womöglich schon schrumpft, geht es in Europa gut voran – wenn auch nicht mehr so stark ist wie 2006 und 2007. Auch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve spielt eine Rolle. Seit Sommer 2007 senkte sie den Leitzins von 5,25 auf 3,00 Prozent. Am Mittwoch deutete Fed-Chef Ben Bernanke weitere Schritte an. Das Institut werde „zeitnah handeln, um das Wachstum zu stützen und gegen einen Abschwung abzusichern“, unterstrich er vor dem Repräsentantenhaus. Es gebe weiter „Abwärtsrisiken für das Wachstum“.

Die Folge: In anderen Währungsräumen bekommen die Anleger deutlich mehr Zinsen für ihr Kapital. Deshalb schichten sie ihr Geld um, weg vom Dollar. Das dürfte vorerst so bleiben – Europas Notenbank EZB scheut sich angesichts hoher Inflationsraten, Kredite für Firmen und Verbraucher zu verbilligen.

Wie verkraften die Firmen den Wechselkurs?

Schon seit Monaten ist der Euro stark, aber die Unternehmen sind unterschiedlich davon betroffen. Eine Schmerzgrenze, ab der es für alle schwierig wird, gibt es nicht. Generell werden deutsche Produkte mit jedem Anstieg des Euro in Dollar-Ländern etwas teurer. Das trifft vor allem Autobauer wie Porsche oder BMW mit einem großen USA-Geschäft, oder den Flugzeugbauer Airbus, dessen Jets nur in Dollar bezahlt werden.

Viele Firmen schützen sich davor, indem sie in den USA produzieren. Andererseits verkaufen die deutschen Exporteure ihre Produkte vorwiegend in den Euro-Raum. Auch setzt sich die Währung international weiter durch, 85 Prozent der deutschen Ausfuhr werden bereits in Euro abgerechnet. Für viele Metalle, Öl oder Gas verlangen deren Förderer meist Dollar – ein starker Euro wirkt also preisdämpfend. Davon profitieren auch die Verbraucher. Sie können zudem bei Reisen in den Dollar-Raum günstig einkaufen. Bei einem Apple-iPod etwa, der hier 199 Euro kostet und in den USA 199 Dollar, liegt die Differenz bei einem Drittel.

Wie ist der hohe Ölpreis zu erklären?

Angesichts des Dollar-Verfalls suchen Investoren neue, inflationssichere Anlageziele – und schichten um auf Öl und Gold. Hinzu kommt der Trend, dass Länder wie China und Indien immer mehr Öl verbrauchen. In den Förderländern gibt es zugleich Unruhe – zwischen dem Iran und dem Westen kriselt es, der Irak ist weiter instabil, in Nigeria greifen Rebellen Förderanlagen an. Obendrein könnte das Opec-Kartell die Förderung drosseln. Eine Prognose für die nächste Zeit ist schwierig – angesichts der schwachen US-Wirtschaft und des nahen Frühjahrs müsste der Preis sinken.

Hält die deutsche Konjunktur die Belastung durch Öl und Euro aus?

„Eine Bedrohung für den Aufschwung sehe ich im Moment nicht“, ist sich Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sicher. Der hohe Eurokurs sei ein Ausdruck wirtschaftlicher Stärke. Erst wenn die Konjunkturschwäche in den USA auf Frankreich und andere Handelspartner übergreife, sei mit Bremsspuren zu rechnen. Der Internationale Währungsfonds ist nicht so zuversichtlich – er senkte seine Wachstumsprognose für Deutschland auf nur noch 1,5 Prozent. Im Dezember hatte der Fonds noch zwei Prozent erwartet. Allerdings hat der IWF zuletzt oft falsch gelegen. Die Stimmung in den Firmen, gemessen durch den Ifo-Geschäftsklima-Index, stieg in den vergangenen beiden Monaten jedenfalls wieder leicht an.

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