Konjunktur : Ökonomen versprechen sieben fette Jahre

Deutschland kommt besser aus der Krise als andere, sagen Wirtschaftsexperten. Insbesondere der Immobilienmarkt könnte einen Aufschwung erleben.

Norbert Häring

Düsseldorf - Das Horrorjahr 2009 wird in die Geschichte eingehen. In weiten Teilen der Welt brach die Wirtschaftsleistung ein. Doch viel entscheidender ist wohl, wie gut und rasch sich die Volkswirtschaften von der Krise erholen. Während der einstige Wachstumschampion Europas – Irland – unter seinem Haushaltsdefizit ächzt, fand die größte Volkswirtschaft Europas bereits vor Monaten den Weg aus der Krise und boomt wie lange nicht mehr.

„Für Deutschland nahen nun endlich die biblischen sieben fetten Jahre“, sagt Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Wirtschaftsforschungsinstituts CEPS. Und Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer jubelt in einem „Handelsblatt“-Gastbeitrag: Dank der Agenda 2010 und den von Unternehmen, Belegschaften und Gewerkschaften unternommenen Anstrengungen habe sich die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Verlauf der letzten fünf Jahre „gewaltig“ verbessert.

Glaubt man Gros, wird in Deutschland der Immobilienmarkt einen Aufschwung erleben und die Beschäftigung weiter zunehmen. „Dann werden auch bald die Löhne steigen und die Steuereinnahmen anziehen“, lautet seine Prognose. Gros hatte bereits 2005 treffend die Gründe für die schlechte Entwicklung in Deutschland und die viel bessere in Spanien, Irland und Griechenland analysiert und aber auch eine Krise der Peripherieländer prognostiziert.

Auch Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, verspricht einen jahrelangen Boom. „Das konjunkturelle Hoch hält an“, sagte Sinn am Freitag, nachdem der Ifo-Index entgegen allen Erwartungen erneut gestiegen war. Die Ökonomen von Goldman Sachs, der Deutschen Bank und Barclays Capital trauen Deutschland in diesem und im nächsten Jahr ein annähernd doppelt so hohes Wachstum zu wie der Euro-Zone insgesamt. Und die bislang eher pessimistischen Volkswirte des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen nach einem „Spiegel“-Bericht für dieses Jahr mit 3,3 Prozent und 2011 mit zwei Prozent Wachstum in Deutschland.

Tatsächlich gibt es einiges aufzuholen. Die ersten sieben Jahren der Währungsunion waren für die Bundesbürger mager. Für ein Land mit dauerhaft unterdurchschnittlichem Wachstum und niedriger Inflation wie Deutschland war der Einheitszins der Europäischen Zentralbank zu hoch. Doch nun nutzt es Deutschland, dass auch die fußkranken Volkswirtschaften der Währungsunion den Zins mitbestimmen. Dabei profitiert Deutschland davon, dass es die eigene Wettbewerbsfähigkeit durch sehr geringe Lohnsteigerungen über viele Jahre massiv verbessert hat. „Unter den EU-Ländern gehört Deutschland zu denen, die mit der Krise besonders geschickt umgegangen sind“, sagt Yang Chengxu, Ex-Chef des Instituts für Internationale Beziehungen in Peking. Norbert Häring (HB)

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