Konjunktur : Ökonomen: Wirtschaft schrumpft um sechs Prozent

Die Lage ist noch ernster als bisher gedacht: Führende Ökonomen servieren der Kanzlerin beim Konjunkturgipfel düstere Zahlen - einen Wirtschaftseinbruch von sechs Prozent. Das wirkt sich auch auf die Arbeitslosenzahlen aus.

BerlinDie führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrem Frühjahrsgutachten damit, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland in diesem Jahr insgesamt um 6,0 Prozent sinken wird. Damit schätzen sie die wirtschaftliche Lage noch pessimistischer ein als die Bundesregierung in ihrer eigenen Konjunkturprognose, die kommende Woche vorgestellt werden soll.

Offiziell wird das Gutachten der acht großen Institute erst am morgigen Donnerstag veröffentlicht. Mehrere Nachrichtenagenturen und Medien berichten aber schon vorab von den miserablen Konjunkturdaten - mit Verweis auf Kreise der Institute und das Umfeld des Konjunkturgipfels im Kanzleramt. Dort tagen zur Stunde führende Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Verbänden, um über Wirkung und Mängel der bisherigen Konjunkturmaßnahmen zu beraten. Der Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, unterrichtet die Runde dabei über die Forschungsergebnisse der Wirtschaftsinstitute.

Demnach fällt der befürchtete Konjunktureinbruch im zweiten Quartal mit einem Minus von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal besonders heftig aus. Im ersten Quartal erwarten die Ökonomen ein Minus von 6,3 Prozent. Investitionen und Exporte würden drastisch sinken. Für 2010 rechnen die Institute dann nur noch mit einem leichten Minus des Wachstums von 0,5 Prozent.

Forscher: Verlust von mehr als einer Million Arbeitsplätzen

Zudem gehen die Forscher 2009 von einem Verlust von mehr als einer Million Arbeitsplätzen aus. Die Arbeitslosigkeit werde im Herbst die Marke von vier Millionen Menschen überschreiten und 2010 auf knapp 4,7 Millionen steigen.

Dazu kommen werden erhebliche Fehlbeträge in den öffentlichen Haushalten. Für 2009 veranschlagen die Forscher das Finanzierungsdefizit auf 89 Milliarden Euro. Dies entspricht 3,7 Prozent des prognostizierten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für das nächste Jahr erwarten die Institute sogar einen Fehlbetrag von mehr als 132 Milliarden Euro. Die Defizitquote würde damit auf 5,5 Prozent des BIP anziehen.

An dem Frühjahrsgutachten sind acht Institute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Zum Gutachterkreis gehören das Münchner Ifo-Institut, das Kieler IfW, das Düsseldorfer IMK, das Essener RWI, das IWH aus Halle, die Zürcher KOF sowie die beiden Wiener Institute IHS und Wifo. (smz/dpa/rtr)

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