Wirtschaft : Konjunktur: Stimmung im Osten ist besser als im Westen

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft werden immer schlechter. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung ist auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Und die Elektroindustrie korrigierte am Freitag ihre Umsatzerwartung nach unten. Der Maschinenbau berichtete unterdessen von deutlich sinkenden Aufträgen.

Besonders in der westdeutschen Industrie hat sich die Konjunktur im Mai unerwartet stark eingetrübt. Dort rutschte der Geschäftsklimaindex auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren; der Rückgang war größer, als befürchtet worden war. Dagegen verbesserte sich die Stimmung in Ostdeutschland. Hier schätzten die Unternehmen ihre Situation erstmals seit Februar wieder besser ein. Bei den Erwartungen ist das Bild ähnlich: Während das Ifo-Institut im Westen wachsende Skepsis ermittelte, blickten die ostdeutschen Unternehmen im Mai wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Der Ifo-Geschäftsklima-Index ist eines der wichtigsten Barometer zur Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. "Auf Basis unserer Daten für die kommenden zwei bis drei Monate sieht es nicht so aus, als ob wir in diesem Zeitraum die Talsohle erreichen werden", sagte der Ifo-Volkswirt Gernot Nerb der Nachrichtenagentur Reuters.

Grafik: Stimmung in der Wirtschaft Sowohl die Maschinenbauer als auch die Elektro-Firmen bekommen nach Angaben ihrer Dachverbände zunehmend die Konjunkturabkühlung zu spüren. So nahm der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) seine bisherige Umsatzprognose für dieses Jahr zurück. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) will seine Vorhersagen bis auf weiteres zwar noch beibehalten, rechnet aber auf Grund schrumpfender Auftragseingänge spätestens für das kommende Jahr mit einer rückläufigen Entwicklung. Der ZVEI nahm seine bisherige Prognose für das Umsatzwachstum der Branche in diesem Jahr auf fünf bis sechs Prozent von zuvor sechs bis sieben Prozent zurück. Allerdings sei das Jahr 2000 extrem gut gelaufen, was den Vergleich etwas verzerre. Im vergangenen Jahr hatte die deutsche Elektro-Industrie nach ZVEI-Angaben ihren Umsatz um fast 16 Prozent auf mehr als 318 Milliarden Mark gesteigert. Die Aufträge legten insgesamt um mehr als 18 Prozent zu.

Den Zahlen der Branchenverbände zufolge sind sowohl die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer als auch die Elektro-Unternehmen zusehends auf Bestellungen aus dem Inland angewiesen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres hätten die Zuwächse der Inlands-Bestellungen über denjenigen aus dem Ausland gelegen, hieß es beim ZVEI. So seien die Orders aus dem Ausland von Januar bis April um 6,3 Prozent geschrumpft, während die Bestellungen aus Deutschland um 8,6 Prozent zugelegt hätten. Ähnlich wie bei den Elektro-Firmen entwickelten sich die Aufträge für die Maschinen- und Anlagenbauer. "Wir haben unsere bisherige Prognose noch nicht zurückgenommen und gehen weiter von einem Produktionsplus von fünf Prozent in diesem Jahr aus", sagte zwar VDMA-Sprecherin Sylke Becker. Allerdings zehre die Industrie derzeit noch von den guten Aufträgen des vergangenen Jahres, spätestens 2002 müsse mit einer Abkühlung gerechnet werden. Bereits jetzt sei ein deutlicher Rückgang bei den Auftragseingängen zu spüren. 2000 hatte der Maschinenbau 255 Milliarden Mark umgesetzt. Auch hier kamen zuletzt mehr Aufträge aus dem Inland. Von Januar bis März sanken die Bestellungen aus dem Inland noch um ein Prozent, während die Auslandsnachfrage um ein Prozent stieg. Im April seien dagegen die Orders aus dem Ausland um vier Prozent geschrumpft und aus Deutschland um drei Prozent gestiegen, hieß es beim VDMA.

Neben Maschinenbauern und der Elektro-Industrie berichteten bereits andere Sektoren von schlechteren Geschäften. So ist die Chemieindustrie in den ersten Jahresmonaten unter das Produktionsniveau des Vorjahres gerutscht und die Autohersteller verkauften weniger Fahrzeuge.

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