Wirtschaft : Konjunktur: Trübe Aussichten auch für das kommende Jahr

Die Erwartungen waren groß, die Enttäuschung ist noch größer: Von der Steuerreform hatten sich gerade die deutschen Einzelhändler Impulse erwartet. Nun kommen sie mit der Korrektur ihrer Prognosen kaum nach. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist der Umsatz um real 1,4 Prozent zurückgegangen. "Wir können froh sein, wenn wir in diesem Jahr überhaupt noch reales Wachstum erreichen", sagt Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Ende vergangenen Jahres war man nach Jahren der Stagnation noch euphorisch von 2,5 Prozent Wachstum ausgegangen - nicht zuletzt angesichts deutlich steigender Einkommen und des Abbaus der Arbeitslosigkeit. Bereits im Frühjahr hatte die Branche die Erwartungen mit Blick auf die hohen Energie- und Benzinpreise dann jedoch auf zwei Prozent korrigiert. Ob der Konsum der Verbraucher im zweiten Halbjahr anspringt? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Auch am Bau gibt es nichts zu beschönigen. "Die Bauwirtschaft steht am Rande des Abgrunds", beschreibt Ignaz Walter, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, die Lage. Für das laufende Jahr erwartet der Verband einen weiteren Einbruch des baugewerblichen Umsatzes um fünf Prozent auf 183,2 Milliarden Mark. Im Herbst vergangenen Jahres war die Branche von einem Rückgang um ein Prozent ausgegangen. Der Umsatz des Baugewerbes werde im Westen voraussichtlich um 3,5 Prozent und im Osten gar um 10,5 Prozent schrumpfen. Für die nähere Zukunft ist laut Walter keine Änderung in Sicht. Auch das Volumen der Auftragseingänge habe im Westen um 5,8 Prozent nominal unter dem Vorjahresniveau gelegen.

Ob Maschinenbau- oder Autobranche, Chemie oder Elektrotechnik - die nahe Zukunft ist allerorten trübe. Die Maschinenbauer erhalten aus dem Ausland weniger Aufträge. Die inländischen Orders stagnieren weitgehend. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwartet die Auswirkungen der weltweiten Konjunkturschwäche mit der für den Maschinenbau üblichen zeitlichen Verzögerung von fünf bis sechs Monaten. Sie werden also im nächsten Jahr in der Produktion voll durchschlagen. Dass die Autobauer noch nicht ganz schwarz sehen, liegt am Export. Vor allem im Premiumbereich - vor allem BMW und Mercedes - lassen sich deutsche Autos im Ausland gut absetzen. Indessen sinkt die Zahl der Pkw-Neuzulassungen auf dem Heimatmarkt weiter. So wird das Autoprognose-Institut Marketing Systems seine Prognosen wahrscheinlich noch in dieser Woche nach unten korrigieren.

Deutsche kaufen weniger Autos

Opel-Chef Carl-Peter Forster, Präsidiumsmitglied im Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet für 2001 nur noch mit 3,2 bis 3,3 Millionen Neuzulassungen. Der VDA hoffte bislang auf 3,5 Millionen. Auch in der Chemieindustrie gehen nur noch wenige Unternehmen und Analysten davon aus, dass es im zweiten Halbjahr besser wird. Nachdem die BASF vor wenigen Tagen ihre Gewinnprognosen drastisch gesenkt hatte, gebe es bereits Stimmen, die bis Anfang kommenden Jahres keine Besserung erwarteten, sagt Commerzbank-Analyst Michael Vara. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hatte im Mai ein Produktionsplus von zwei Prozent und ein Umsatzplus von fünf Prozent für dieses Jahr vorausgesagt.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf hält an ihrer verhaltenen Prognose vom Jahresbeginn fest. Man werde in diesem Jahr voraussichtlich rund 45 Millionen Tonnen Rohstahl in Deutschland produzieren. Das entspricht einem Rückgang von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Verband Bitkom bleibt für den Bereich Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien bei seiner optimistischen Prognose von Mitte Juni und erwartet ein Umsatzplus von 8,7 Prozent für 2001 und 16 000 zusätzliche Stellen. Den Optimismus begründet der Vorsitzende der Verbands-Geschäftsführung Bernhard Rohleder gegenüber dem Handelsblatt mit der guten Auftragslage. "Die Bücher sind für die nächsten drei bis vier Monate voll." Und dann? Jedes zehnte Unternehmen aus dem Bereich sieht einen Abschwung kommen.

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