Wirtschaft : Konjunktur unter Volldampf

Peking befürchtet Überhitzung und Dollarschwäche

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In China hat die Konjunktur eine unerwartete StehAuf-Dynamik entwickelt. Litt das Land in der ersten Jahreshälfte noch unter Deflation, Irak-Krieg, SARS, Terrorängsten und schwankenden Ölpreisen, so zeigten in der zweiten Hälfte alle Indikatoren wieder nach oben: Investitionen, Exporte und Konsum erholten sich. Für das gesamte Jahr erwartet die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) in China ein Wachstum von 6,1 Prozent und 2004 von 6,4 Prozent.

Dennoch rechnet Peking nicht mit einer ungebremsten Fortsetzung der Volldampf-Konjunktur. Der Grund: Die Notenbank hat die Kreditbremse gezogen, denn die chinesischen Geschäftsbanken haben im laufenden Jahr ihr Kreditvolumen um 300 Milliarden Dollar aufgebläht.

Die Pekinger Führungsriege ist in Sorge vor einer Überhitzung und einer erneuten Zunahme der faulen Kredite. Im kommenden Jahr soll den angeschlagenen Banken geholfen und die Börsen stärker geöffnet werden. Auch der Autosektor steht vor einer strategischen Neuausrichtung. Für Jonathan Anderson steht ganz Ostasien vor ernsten, externen Problemen. Der Asien-Chefvolkswirt der Schweizer Bank UBS befürchtet ab der zweiten Jahreshälfte 2004 eine merkliche Konjunkturabkühlung in den USA, Japan und China. Als Folge soll sich das amerikanische Importwachstum von zehn Prozent bis 2005 halbieren. Chinas Einfuhrzuwachs werde von 35 Prozent auf zwölf Prozent zusammenschmelzen, so die Prognose des Volkswirts.

Zudem befürchtet Anderson eine weitere Abschwächung des US-Dollars. Verstärkt durch rasant wachsende Währungsreserven dürfte damit der Aufwertungsdruck auf fast allen asiatischen Währungen anhalten. Lockern die Zentralbanken jedoch ihre strikte Interventionspolitik, würde das die Exporte schwächen. Trotz positiver Aussichten bleibt ein Risiko: Exporte und Konsum könnten erschlaffen, bevor sich die Unternehmensinvestitionen richtig erholen. cr/olm/HB

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