KONJUNKTUR : US-Arbeitslosenquote auf Rekordhoch

Schlechte Daten aus Amerika: Eine Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft wird immer wahrscheinlicher - die Aktienkurse brechen ein.

Frederic Spohr

Berlin - Miserable Arbeitsmarktdaten in den USA haben die Aktienkurse in Europa und den Vereinigten Staaten teilweise einbrechen lassen. Die US-Arbeitslosenquote ist im August auf den höchsten Stand seit fünf Jahren gestiegen. Wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte, erhöhte sie sich von 5,7 Prozent auf 6,1 Prozent. Experten hatten lediglich mit einen Anstieg auf 5,8 Prozent gerechnet. Nach Veröffentlichung der Daten stürzte der Deutsche Aktienidex Dax ab. Bis Handelsschluss büßte er 2,4 Prozent auf 6127 Punkte ein. Auch der amerikanische Dow Jones sackte ins Minus, fing sich aber kurz vor Handelsende.

Bereits am Tag zuvor hatte die Angst vor einer Rezession in den USA die Stimmung der Börsianer weltweit gedrückt und die Kurse einbrechen lassen.

Die Beschäftigungsdaten sind in den USA ein zuverlässiger Konjunktur-Indikator. Bei schlechter Auftragslage können US-Unternehmen wegen des äußerst flexiblen Arbeitsmarktes sehr schnell Beschäftigte entlassen.

„Die schlechten Arbeitsmarktdaten sind ein Zeichen dafür, dass sich die amerikanische Wirtschaft kurz vor einer Rezession befindet“, sagte Wirtschaftsprofessor und US-Bürger Michael Burda von der Humboldt-Universität Berlin dem Tagesspiegel. „Die niedrigen Zinsen und die Steuersenkungen konnten den Beginn der Rezession nur verzögern.“ Die fundamentalen Daten seien einfach zu schlecht. „Das Vertrauen der Konsumenten war seit den 80er Jahren nicht mehr so schlecht gewesen.“ Auch das Konjunkturprogramm mit einem Umfang von 150 Milliarden Dollar habe daran nichts ändern können. Die Regierung verteilte beispielsweise Steuerschecks im Wert von bis zu 1200 Dollar. „Aber die Verbraucher haben das Geld gespart. Die Werte ihrer Eigenheime sind wegen der Immobilienkrise stark gesunken“, sagte Burda. Die leichte Erholung der Aktienkurse in den vergangenen Wochen sei kein Zeichen für eine Verbesserung der Lage gewesen. Vielmehr habe der sinkende Ölpreis die Kurse getrieben. „Da haben wir einfach Glück gehabt.“

Burda sieht auch Auswirkungen für Deutschland. „Ich rechne damit, dass sich das Wachstum in Deutschland nächstes Jahr deutlich abschwächen wird.“ Deutschland und die EU hätten aber den Vorteil, dass die Binnennachfrage robuster sei als in den USA. Von einer Rezession will Burda noch nicht sprechen.

Anders sieht das Jörg Lüschow von der WestLB. Der Volkswirt erwartet für Deutschland dieses Jahr zeitweise eine Stagnation und nächstes Jahr ein Plus von 0,3 Prozent. Die Regierung rechnet dieses Jahr mit 1,7 Prozent. Ein Grund für Lüschows Pessismismus ist die „sehr holprige Entwicklung der amerikanischen Konjunktur“. Dort rechnet er für 2009 mit einem Wachstum von etwa einem Prozent. „Für amerikanische Verhältnisse ist das extrem wenig.“ Auch die derzeit sinkenden Rohstoffpreise seien noch nicht hilfreich. „Bis sich das realwirtschaftlich auswirkt, muss Zeit vergehen.“ Aufgrund der schlechten Aussichten rechnet Lüschow eher mit steigenden Anleihen- als mit steigenden Aktienkursen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar