Wirtschaft : Konjunktur: Von der Schwierigkeit, präzise im Nebel zu stochern

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Nur ungern denken die Konjunkturexperten an das vergangene Jahr zurück. Denn 1999 lagen die Ökonomen, die die wirtschaftliche Entwicklung vorherzusagen versuchen, zum Teil spektakulär daneben: Um nur 1,5 Prozent wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr; die Vorhersagen der sechs großen Forschungsinstitute aber lagen zum Teil deutlich darüber. Das Essener Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hatte mit 2,8 Prozent nahezu das Doppelte prognostiziert. Mehr oder weniger kräftig verschätzt hat sich auch das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel mit 2,3 und der Sachverständigenrat - die so genannten "Fünf Weisen" - mit zwei Prozent. In diesem Jahr soll es besser werden. Denn plötzlich auftretende Unwägbarkeiten - Experten sprechen von "exogenen Schocks" -, die eine aufwändig berechnete Wachstumszahl über den Haufen werfen können, sind seit Jahresbeginn ausgeblieben: Keine Krisen um Lateinamerika, Asien oder Russland pfuschte den Konjunkturforschern wie 1999 ins Handwerk. Allein der schwächelnde Euro und der gestiegene Ölpreis sorgten für Unsicherheit. Zum Ausgleich war die Wirtschaft besonders im zweiten Quartal stärker gewachsen als erwartet, so dass am Ende ein Wachstum von drei Prozent steht. Das ist im Rahmen der Prognosen.

Darin liegt ohnehin die Kunst der Konjunkturforschung - das Unerwartete zu kalkulieren und präzise im Nebel zu stochern. Das ist ein schwieriges Unterfangen: Aus gut zwei Dutzend Indikatoren, die steigen, fallen oder stagnieren, müssen die Ökonomen einen Trend formen. Und obendrein aus den Zahlen der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Punktlandungen - für 1999 sagte etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bis auf 0,1 Prozentpunkte genau das Wachstum voraus - sind Glückssache. Eine Treffungenauigkeit von 0,5 Prozentpunkten gilt als normal. In diesem Rahmen bewegen sich alle Prognosen für das Jahr 2000. Wichtiger als eine exakte Zahl ist den Forschern ohnehin zu wissen, ob die Konjunktur kippt und eine Rezession bevorsteht, oder ob der Aufschwung anhält. Gleichwohl sind sie besser als ihr Ruf: Nach zum Teil deutlichen Fehlprognosen in den achtziger Jahren näherte sich das Gros der Ökonomen den tatsächlichen Zahlen immer mehr an. 1999, so hoffen sie, soll eine Ausnahmen bleiben.

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