Wirtschaft : Konjunktur: Wachstumspause in Deutschland

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Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums in eine "vorübergehende Wachstumspause" eingetreten. Gründe seien die weltwirtschaftliche Abschwächung und der Kaufkraftentzug im Inland durch den Preisanstieg bei Energie und Nahrungsmitteln. Dies Resümee zog das Ministerium am Montag in seinem Monatsbericht zur wirtschaftlichen Lage. Das Wachstum stagnierte im zweiten Quartal dieses Jahres. Die konjunkturelle Flaute belaste auch den Arbeitsmarkt, hieß es weiter.

Die konjunkturelle Stagnation in Deutschland ist nach Ansicht des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister, weitgehend hausgemacht. Durch den Exportboom der vergangenen Jahre seien die strukturellen Probleme verdeckt worden, sagte er am Montag. Gerade der Mittelstand sei durch die Reform des Betriebsverfassungsgesetzes, die Ökosteuer, einen ineffizienten Einsatz von Fördergeldern und eine steigende Abgabenquote immer stärker belastet worden. Dies sei eine der Ursachen für das Erlahmen des Wirtschaftswachstums in Deutschland. Zunehmende Regulierungen auf dem Arbeitsmarkt hätten einen Abbau der Arbeitslosigkeit verhindert.

Trotz einer leicht verbesserten Stimmung in der deutschen Wirtschaft sieht das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung noch keine Anzeichen für einen breiten Aufschwung. In Branchen wie der Bauwirtschaft und dem Einzelhandel rechneten die Unternehmen wegen der Flaute mit weiteren Stellenstreichungen, teilte das Ifo Institut in seinem Konjunkturtest für Juli mit. In der Industrie dagegen gebe es erste positive Signale. Der Ifo-Geschäftsklimaindex war im Juli entgegen den Erwartungen erstmals seit Januar wieder leicht gestiegen.

Das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe in Westdeutschland hat sich erstmals seit Ende vergangenen Jahres leicht verbessert. Dieser positive Trend hat allerdings noch nicht den Investitions- und den Konsumgüterbereich erfasst. Insgesamt aber blickt die westdeutsche Industrie nach Ifo-Angaben weniger skeptisch in die Zukunft als bisher. In den neuen Bundesländern verbesserte sich die Geschäftslage in der Industrie nach einem Einbruch im Juni deutlich. Selbst die im Westen angeschlagene Investitionsgüterbranche erfreut sich im Osten einer guten Geschäftslage, ergab der Konjunkturtest.

Während die westdeutsche Industrie bei den Arbeitskosten in Mark gerechnet international nach wie vor den Spitzenplatz einnimmt, bleiben die Unternehmen in Ostdeutschland im unteren Mittelfeld. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kostete die Arbeitsstunde im vergangenen Jahr im Westen durchschnittlich 50,48 Mark. Davon entfielen 27,84 Mark auf die Direktentgelte und 22,64 auf die Personalzusatzkosten. In den neuen Ländern betrugen die Arbeitskosten 32,14 Mark (Direktentgelt: 19,26 Mark, Zusatzkosten: 12,88 Mark).

Seit 1992, als zum ersten Mal die Arbeitskosten für Ostdeutschland gemessen wurden, sind sie dort um 60 Prozent gestiegen. In den vergangenen beiden Jahren hat sich der Anstieg jedoch erheblich verlangsamt. Die Zunahme war kaum stärker als im Westen.

Im Vergleich zu 1992 war die ostdeutsche Zusatzkostenquote - bezogen auf das Direktentgelt - mit 67 Prozent drei Prozentpunkte niedriger, im Westen mit 81 Prozent einen Punkt höher. Den Rückgang im Osten begründet das IW mit der wachsenden Zahl von Kleinunternehmen. Ihre Zusatzkostenquote (58 Prozent) sei wesentlich geringer als die der Großunternehmen (83 Prozent).

Insgesamt sind die Arbeitskosten 2000 in Ost- Und Westdeutschland nach den IW-Berechnungen im gleichen Tempo gestiegen wie die Löhne - um 2,5 Prozent im Westen und um drei Prozent im Osten Deutschlands. Auch für 2001 rechnet das Institut trotz fallender Beitragssätze der Rentenversicherung wegen der bis in dieses Jahr reichenden Abschlüsse der Tarifrunde 2000 wieder mit einem Anstieg zwischen zwei und drei Prozent.

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