Konjunktur : Wirtschaftsforscher googeln die Zukunft

Alles kann man googeln, sogar die Zukunft. Das jedenfalls behauptet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das mithilfe der Suchmaschine die Entwicklung der Arbeitslosenzahl prognostiziert.

Vera Pache

Berlin"In Zeiten großer wirtschaftlicher Unsicherheit sind neue Prognoseverfahren wichtig“, sagt Klaus Zimmermann, Präsident des Berliner Instituts. „Gerade in der Krise stoßen die bisherigen Verfahren aufgrund struktureller Brüche an ihre Grenzen.“

Die Methode klingt so einfach, dass man sich fragt, warum vorher noch keiner draufgekommen ist. Ausgewertet werden Datensätze von Google. Índikatoren sind verschiedene Schlüsselworte und wie oft Nutzer sie in die Suchmaske eingegeben haben, darunter Begriffe wie „Arbeitsamt“, „Arbeitsplatzsuche“ und „Kurzarbeit“. Google liefere eine „wissenschaftlich bisher kaum genutzte Datengrundlage“, sagt das DIW. Inzwischen nutzten 86 Prozent der Arbeitssuchenden das Internet, um einen neuen Job zu finden.

„Die Treffsicherheit ist gut“, sagt Zimmermann. Die Ergebnisse ähnelten den offiziellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für 2008 und 2009 weitgehend. „Die Umbrüche der vergangenen Monate hat das Modell gut erfasst.“ So sei der Rückgang im Mai gut vorausgesagt worden. Die Prognose für den Juni laute, dass sich der rückläufige Trend fortsetze. Das neue Verfahren ist auch deswegen interessant, weil das DIW eine Konjunkturprognose für 2010 ablehnt: Die Unsicherheit sei zu groß, lautet die Begründung der Forscher. Die Bundesagentur zeigt sich wenig überzeugt. „Die Methode ist nachvollziehbar und korrekt“, sagt Sprecherin Ilona Mirsin. „Es ist aber ein Schätzverfahren und hat einen hohen Prognosefehler.“ Wenn man sich bei der Arbeitslosenquote auch nur um einen halben Prozentpunkt verschätze, seien das gleich rund 200 000 Arbeitslose mehr oder weniger. „Es ist sicher ein Verfahren, das man weiter beobachten muss, das aber im Moment noch Fehler hat.“

Vor allem die Berücksichtigung des Begriffes „Kurzarbeit“ sei wichtig, damit die Ergebniskurven ungefähr den amtlichen Zahlen entsprechen, erklären die Forscher. Manchmal aber weichen die gegoogelten Prognosen auch deutlich von der öffentlichen Arbeitslosenquote ab. Zum Beispiel im November 2008 oder im Februar 2009, als die Voraussagen danebenlagen: Spitze und tiefe Einkerbungen in der Grafik zeigten damals drastisch sinkende Arbeitslosenzahlen an, während die offizielle Statistik einen Anstieg feststellte. Zimmerman sagt: „Der Erfolg ist sehr gut, aber eine absolute Sicherheit wird es nie geben.“

Ausnahmen bestätigen die Regel, könnte man mit etwas Wohlwollen meinen. Vielleicht fehlt aber auch einfach noch ein anständiges Kontrollinstrument für das neue Modell. Da empfiehlt es sich vielleicht einfach mal, bei Google „Zukunft voraussagen“ oder „Wahrsagerin“ einzugeben. Ein Klick, und schon werden Kartenlesen und Gratisgespräche mit Experten angeboten. Vera Pache

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