Konjunktur : Zentralbank prognostiziert Konjunkturwende für 2010

Die Frankfurter Währungshüter rechnen erst in einem Jahr wieder mit Wachstum. Weltweit könnte es mit der Wirtschaft dagegen schon dieses Jahr wieder aufwärts gehen.

Die Konjunkturwende für Europa ist in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten: "Nach einer Stabilisierungsphase werden ab Mitte 2010 positive vierteljährliche Wachstumsraten erwartet", hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbanker für den Euro-Raum.

In dieser Einschätzung seien die Auswirkungen der Konjunkturprogramme sowie der Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems mitberücksichtigt, hieß es. In der Prognose der Entwicklung vertrat der EZB-Rat die Auffassung, die Risiken für den Wirtschaftsausblick seien ausgewogen.

Der Ausblick fällt uneindeutig aus: Einerseits könnten sich die Konjunkturprogramme stärker auswirken als angenommen und auch das Vertrauen könne schneller zunehmen, als derzeit zu erwarten sei, hieß es. Andererseits sei es jedoch auch möglich, dass sich Turbulenzen an den Finanzmärkten stärker auf die Realwirtschaft auswirkten, fürchten die Währungshüter. Die Bank hat den Leitzins bereits mehrfach gesenkt und jüngst auch den Kauf von Anleihen beschlossen, um die Wirtschaft zu stützen.

IfW-Prognosee positiver

Das Institut der Weltwirtschaft (IfW) in Kiel kommt in seiner weltweiten Betrachtung der Lage zu einer positiveren Einschätzung: Der Tiefpunkt der Weltproduktion sei nach einer "ungebremsten Talfahrt" erreicht. Inzwischen deute "vieles darauf hin, dass sich die Weltkonjunktur im Sommerhalbjahr 2009 fängt", heißt es in einer ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Prognose. Angesichts bestehender Belastungsfaktoren erwarte man jedoch nur eine "allmähliche Erholung".

Für das laufende Jahr erwartet das IfW einen Rückgang der allgemeinen Wertschöpfung der Welt von 1,5 Prozent. Im März war noch lediglich ein Rückgang von 0,8 Prozent prognostiziert worden. Für das kommende Jahr hob das IfW jedoch seine Prognose von bisher plus 2,1 Prozent auf 2,3 Prozent leicht an.

Für Deutschland senkte das IfW seine Prognose für dieses Jahr: Sie erwarten einen massiven Rückgang von sechs Prozent. Bisher hatte das IfW ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um 3,7 Prozent vorhergesagt. Für das kommende Jahr erwartet das Institut dagegen "einen sehr moderaten Anstieg" um 0,4 Prozent. Bisher hatten die Forscher für 2010 einen Rückgang von 0,1 Prozent erwartet.

Schlechte Aussichten sieht das Institut für den Arbeitsmarkt: Vom Herbst sei mit deutlich steigenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen. Im laufenden Jahr dürfte sich die Zahl der Arbeitslosen um 300.000 auf fast 3,6 Millionen Menschen erhöhen. Für 2010 werden 4,36 Millionen Arbeitslose erwartet.

Für die Stabilisierung der Konjunktur im laufenden Jahr spricht laut IfW, dass sich die weltweite Finanzkrise etwas entspannt habe. Auch die Geschäftserwartungen der Unternehmen seien weniger negativ und die Nachfrage nach Rohstoffen sei leicht gestiegen. Damit dürften vom Ausland kaum noch negative Impulse auf die deutsche Wirtschaft ausgehen und die Exporte in der zweiten Jahreshälfte leicht anziehen.

Die Konjunktur im Inland profitiert nach Einschätzung der Ökonomen vorübergehend von den Konjunkturpaketen, beispielsweise durch öffentliche Bauinvestitionen. Dagegen werden die Impulse durch die Abwrackprämie auslaufen. Wie sich der private Konsum entwickelt, hängt nach Angaben des IfW von der Lage auf dem Arbeitsmarkt ab. Von Arbeitslosigkeit betroffene Haushalte dürften ihre Konsumausgaben deutlich zurückfahren. Die Experten erwarten auch 2010 Preisstabilität.

Dann dürfte sich die Konjunktur insgesamt allmählich erholen, vorausgesetzt, die Lage im Bankensektor verschärfe sich nicht erneut. Das Institut wies darauf hin, dass sich der Bedarf, Abschreibungen vorzunehmen, im Verlauf der Rezession noch vergrößert, zumal die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigen dürfte. "Umso wichtiger ist es, dass die Rekapitalisierung der Banken schnell vorankommt."

Bei einer langwierigen Rezession droht der europäischen Finanzbranche EZB-Experten zufolge eine neue Bankenkrise. Falls der Aufschwung länger als angenommen auf sich warten lasse, seien neue Turbulenzen im Finanzsektor wahrscheinlich, sagte der EZB-Finanzstabilitätsexperte Dejan Krusec laut Daily Telegraph.
 

Quelle: ZEIT ONLINE, tst, dpa, Reuters

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