Wirtschaft : Konjunkturausblick für Deutschland bleibt getrübt

Auch Bauwirtschaft erwartet keine Aufhellung / Teuerung weiter gestiegen / Bessere Aussichten im Euro-Raum

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Frankfurt (Main) (Tsp). Unsicherheiten über einen IrakKrieg und die Wirtschaftspolitik der rot-grünen Regierung haben die Konjunkturaussichten für Deutschland im Dezember weiter eingetrübt. Vor allem in der Bauwirtschaft hat sich die Stimmung in diesem Monat verschlechtert. Gleichzeitig verbesserten sich aber die Konjunkturerwartungen für die Euro-Region.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragt monatlich gut 300 Analysten und institutionelle Anleger zu ihren mittelfristigen Erwartungen für Konjunktur, Zinsen, Aktien- und Wechselkurse. Nach der jüngsten Umfrage, die am Dienstag in Mannheim vorgestellt wurde, sank der Saldo der Konjunkturerwartungen um 3,6 auf 0,6 Punkte. Im Vormonat war der Saldo um rund 19 Punkte eingebrochen. Der Saldo der Erwartungen spiegelt die Differenz von positiven und negativen Einschätzungen für die Entwicklung auf Sicht von sechs Monaten. Sehr viel besser ist der ZEW-Ausblick für die Euro-Region: Der Saldo für die Aussichten im Geltungsbereich des Euro stieg um 2,9 auf 27,1 Punkte. Damit nahm die Diskrepanz zwischen den Erwartungen für Deutschland und die Euro-Zone weiter zu.

Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die ZEW-Daten. Der deutschen Aktienindex Dax notierte nach deren Veröffentlichung weiter rund 1,8 Prozent im Plus, die Staatsanleihen pendelten in der Nähe ihrer Vortageskurse. Der Euro verharrte knapp unter 1,01 Dollar.

Die aktuellen Erwartungen seien vor allem durch die leichte Erholung auf den Aktienmärkten sowie durch die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgehellt worden, teilte das ZEW mit. Die EZB hatte in der vergangenen Woche den Leitzins um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent gesenkt.

Den Ausschlag für den weiteren Rückgang des Indikators hätten Unsicherheiten über einen Irak-Krieg sowie den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs der Bundesregierung gegeben. „Die Stimmung auf den Finanzmärkten ist nach wie vor am Boden, die Rezessionsgefahr bei weitem noch nicht gebannt“, erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Volkswirte sagten, der Rückgang des ZEW-Indikators lasse auch eine negative Entwicklung des an den Finanzmärkten viel beachteten Ifo-Geschäftsklimaindexes für Westdeutschland erwarten. Der Ifo-Index wird in einer Woche veröffentlicht.

Trübe Aussichten belasten auch die Bauwirtschaft. Nach einem deutlichen Rückgang der Bauinvestitionen in diesem Jahr erwartet die mittelständische Bauwirtschaft infolge der Steuerpolitik der Bundesregierung auch für 2003 keine Besserung ihrer Lage. Für 2002 sei mit einem Rückgang der Bauinvestitionen um mindestens fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr zu rechnen, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Heinz-Werner Bonjean, am Dienstag.

Auch die ostdeutsche Industrie blickt pessimistisch in die Zukunft. Wie eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) unter 300 Unternehmen ergab, ist die Beurteilung der Geschäftsaussichten eingebrochen.

Unterdessen haben sinkende Preise für Lebensmittel, Benzin, Heizöl und Pauschalreisen die jährliche Inflationsrate im November auf 1,1 Prozent gedrückt. Von Oktober auf November sind die Verbraucherpreise in Deutschland sogar um 0,4 Prozent zurückgegangen. Im Oktober hatte die Teuerungsrate noch bei 1,3 Prozent gelegen. Dies berichtete das Statistische Bundesamt. Damit deutet sich für das Gesamtjahr 2002 ein Anstieg der Preise von gerade einmal 1,3 Prozent an.

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