Konjunkturbericht : Berlin liegt beim Wachstum vorn

Die Hauptstadt rechnet 2011 mit zwei Prozent Wachstum. Damit könnte sie über dem Länderschnitt liegen.

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Aufschwung. Die Fabriken von Siemens in der Hauptstadt – hier das Gasturbinenwerk – sind wieder voll ausgelastet. 90 Prozent ihrer Produkte werden exportiert. Foto: Vario
Aufschwung. Die Fabriken von Siemens in der Hauptstadt – hier das Gasturbinenwerk – sind wieder voll ausgelastet. 90 Prozent ihrer...Foto: Ulrich Baumgarten / vario images

Berlin - Die Wirtschaft in Berlin hat sich nicht nur im Krisenjahr 2009 weit besser geschlagen als die deutsche Wirtschaft insgesamt. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) erwartet in seinem aktuellen Konjunkturbericht, dass sie sich auch im kommenden Jahr besser entwickeln wird. Für das laufende Jahr rechnet Wolf jedoch nur mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung v 2,2 Prozent. Das wäre weit weniger als das von der Bundesregierung für Deutschland prognostizierte Wachstum von 3,4 Prozent.

Dennoch verweist der Wirtschaftssenator darauf, dass Berlin im Gegensatz zu Deutschland insgesamt bereits im laufenden Jahr den Stand vor der Krise übertreffen werde. „Ein Zeichen für die überdurchschnittliche Wirtschaftsleistung in der Hauptstadt“, sagte Wolf. Er sei zuversichtlich, dass die Wirtschaftsleistung 2011 um etwa zwei Prozent wachsen wird. „Neben Impulsen unter anderem aus der Industrie kann sich Berlins Dienstleistungssektor weiter dynamisch entwickeln und das wirtschaftliche Wachstum in der Hauptstadt befördern“, heißt es im Konjunkturbericht. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) rechnet für Deutschland insgesamt mit einem Plus von 1,8 Prozent.

Das relativ gute Abschneiden der Hauptstadt in der Weltwirtschaftskrise erklärt sich mit der geringen Exportquote der Berliner Industrie. Für das dritte Quartal 2010 weist der Konjunkturbericht für Berlins Industrie nun ein gegenüber dem Vorjahr um rund 19 Prozent höheres Auftragsvolumen auf, das sowohl aus den Inlands- als auch aus den Auslandsbestellungen resultiert. Infolge der gestiegenen Nachfrage seien die Industrieumsätze gewachsen. „Die von der Krise stark betroffenen Industriezweige wie zum Beispiel Metall, aber ebenso die in Berlin gewichtige Pharmaindustrie befanden sich bei den Umsätzen spürbar im Plus“, heißt es im Konjunkturbericht der Senatsverwaltung für Wirtschaft.

Demnach lag auch die Nachfrage im Bauhauptgewerbe über dem Stand aus 2009, wobei sowohl gewerblicher Bau, Wohnungsbau als auch öffentlicher Bau mehr Aufträge als im Vorjahresquartal verbuchten. Letzterer profitiert in Berlin weiterhin von den Infrastrukturmaßnahmen aus dem Konjunkturpaket II.

Unterstützt vom Tourismus lagen auch die realen Umsätze im Einzelhandel zwischen Juli und September 2010, wie bereits in den beiden vorangegangenen Quartalen, leicht über dem Vorjahresniveau. Im dritten Quartal besuchten gut 2,5 Millionen Gästen die Hauptstadt, 8,7 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für das Gesamtjahr erwartet Wolf sogar ein Rekordjahr im Tourismus.

Auch bei der Beschäftigung sieht der Wirtschaftssenator einen positiven Trend. Problematisch wertet er aber die Zunahme an prekären Beschäftigungsverhältnissen. „Wir brauchen einen flächendeckenden Mindestlohn, um der Ausweitung des Niedriglohnsektors Einhalt zu gebieten“, forderte Wolf.

Bei der IHK Berlin teilt man zwar Wolfs positive Einschätzung der wirtschaftlichen Situation. „Der Aufschwung ist auch in der Hauptstadt zu spüren“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder dem Tagesspiegel. „Die Unternehmen sind zufrieden mit der Geschäftslage und auch optimistisch für das kommende Jahr.“ Eine Prognose für 2011 für Berlin abzugeben sei jedoch schwierig.

Zudem merkte Eder an, dass die Bruttowertschöpfung pro Kopf der Berliner Bevölkerung im Bundesvergleich immer noch gering, die Arbeitslosenquote mit 12,6 Prozent dagegen die höchste in der Bundesrepublik sei. In diesem Zusammenhang sieht Eder Wolfs Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn kritisch. „Das ist ein offensichtlich populistischer Vorbote des Wahlkampfs“, sagte Eder. „Gesetzliche Mindestlöhne treiben gerade gering Qualifizierte und Ältere in die Arbeitslosigkeit.“ Der Vorschlag sei daher wenig hilfreich.

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