Konjunkturentwicklung : Der "Kaufparty" fehlen die Gäste

Der deutsche Einzelhandel findet weiterhin keinen Anschluss an die gute Konjunkturentwicklung. In den ersten vier Monaten erzielte die Branche nur ein Umsatzplus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

BerlinDer deutsche Einzelhandel findet weiterhin keinen Anschluss an die gute Konjunkturentwicklung. In den ersten vier Monaten erzielte die Branche nur ein Umsatzplus von nominal 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Preisbereinigt ergebe das ein Minus von 0,5 Prozent, teilte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) mit. Noch sei von der von Konsumforschern angekündigten "Kaufparty" nichts zu spüren. Auch im Mai und Juni dürfte es den Unternehmen schwer gefallen sein, das starke Vorjahresergebnis zu übertreffen, als in den beiden Monaten insgesamt 1,9 Prozent mehr umgesetzt wurde als 2005.

Die Hoffnung des Einzelhandels liegt damit auf dem zweiten Halbjahr", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Dann werde ein nominales Umsatzplus von 1,5 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr werde hingegen weiterhin nur mit einem Zuwachs von nominal ein Prozent gerechnet. Erst 2008 könnte der Handel "endlich zu seinem Recht kommen", sofern das gesamtwirtschaftliche Wachstum anhält und die Beschäftigung weiter steigt. Risiken drohen aber von Seiten der Politik, wenn beispielsweise die Beiträge zur Pflegeversicherung steigen sollten. 2006 erzielte der Handel 391,9 Milliarden Euro Umsatz.

Elektronikhandel mit starkem Plus

In den einzelnen Branchen entwickelte sich der Umsatz von Januar bis April in diesem Jahr sehr uneinheitlich. Während der Lebensmitteleinzelhandel ein reales Minus von 1,9 Prozent erzielte, wurde im Bekleidungshandel ein Plus von 2,1 Prozent, im Elektronikhandel sogar von 6,4 Prozent verzeichnet. Vor allem bei den langlebigen Gebrauchsgütern seien die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung Anfang des Jahres spürbar gewesen. Sanktjohanser geht davon aus, dass der Arbeitsplatzabbau im Handel sich nicht fortsetzen wird. Gegenwärtig beschäftigt die Branche rund 2,7 Millionen Menschen.

Eine erste Ladenschluss-Bilanz kann der Handel weiterhin nicht ziehen. "Das ist noch ein längerer Prozess", betonte Sanktjohanser. Harte Zahlen lägen dazu noch nicht vor. Auch im Bewusstsein der Kunden müssten sich die neuen Regeln erst einmal festsetzen. Positive Effekte seien schon im Lebensmittelhandel spürbar. Scharf kritisierte der HDE das jüngst beschlossene Ladenschlussgesetz in Mecklenburg-Vorpommern, wonach die gesetzliche Einführung eines Zuschlags für Arbeit nach 20.15 Uhr festgelegt wurde. Das sei "eine beispiellose einseitige Parteinnahme einer Landesregierung in laufende Tarifauseinandersetzungen zu Gunsten der Gewerkschaft", sagte Sanktjohanser. (mit dpa)

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