Konjunkturprognose : Mehr Wachstum, mehr Beschäftigung

Die Bundesbank traut dem Staat zu, 2015 Überschüsse zu erwirtschaften. Während die Aussichten für die Wirtschaft rosig zu sein scheinen, sinkt aktuell die Nachfrage in der Industrie.

Geh'n Sie mit der Konjunktur. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft stärker wachsen als von der Bundesbank ursprünglich vorhergesagt.
Geh'n Sie mit der Konjunktur. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft stärker wachsen als von der Bundesbank ursprünglich...Foto: dpa

Noch ist nicht klar, wer Philipp Rösler (FDP) als Wirtschaftsminister beerbt und ob Wolfgang Schäuble (CDU) Finanzminister bleibt. Klar ist hingegen: Den Chefs beider Ressorts steht ein gutes Jahr 2014 bevor, wenn die am Freitag veröffentlichte Prognose der Bundesbank zutrifft. Demnach wird es im kommenden Jahr mehr Wachstum, mehr Beschäftigung und Überschüsse im Staatshaushalt geben. Die Volkswirte hoben ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum von 1,5 auf 1,7 Prozent an. 2015 rechnen sie sogar mit einem Plus von zwei Prozent. Europas größte Volkswirtschaft würde damit viermal so stark wachsen wie im zu Ende gehenden Jahr mit 0,5

Prozent. „Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich in einem guten Zustand“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. „Die Arbeitslosenquote ist niedrig, die Beschäftigung steigt weiter, und der Lohnanstieg normalisiert sich.“ Zudem seien die Zinsen niedrig. „Diese Faktoren stützen den privaten Verbrauch und treiben den Wohnungsbau an.“

Rund 2,9 Millionen Arbeitslose erwartet

Gleichzeitig geht die Bundesbank von einer Inflationsrate aus, die mit 1,3 beziehungsweise 1,5 Prozent deutlich unter der von der Europäischen Zentralbank definierten Grenze für Preisstabilität von zwei Prozent bleiben dürfte. Zudem sollen Unternehmen mehr Geld in Maschinen, Geräte und andere Ausrüstungen investieren.

Die Zahl der Erwerbstätigen wird demnach sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr zulegen. Die Zahl der Arbeitslosen soll sich bei 2,9 Millionen einpendeln. Von der guten Konjunktur profitiert auch der Staat. 2015 soll er einen Überschuss von 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erzielen, nachdem der Haushalt im laufenden Jahr ausgeglichen sein soll.

Koalitionspläne sind nicht eingepreist

Allerdings sind in dieser Prognose die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD noch nicht berücksichtigt. Diese stoßen teils auf Kritik. „Einige der in der Koalitionsvereinbarung in Aussicht gestellten Maßnahmen wie der Mindestlohn drohen die Leistungsfähigkeit der Arbeits- und Gütermärkte zu beschädigen, und der fiskalische Kurs soll gelockert werden“, sagte Weidmann. Ein Risiko stelle das außenwirtschaftliche Umfeld dar. Schuldenlast und Strukturprobleme werden die „Krisenanfälligkeit der europäischen und der globalen Wirtschaft hoch halten“.

Der deutsche Export wird dieses Jahr voraussichtlich nur leicht zunehmen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet mit einem Plus von real rund einem Prozent. In der deutschen Industrie sanken die Aufträge im Oktober aber so stark wie seit fast einem Jahr nicht. Wegen der geringeren Nachfrage fielen sie um 2,2 Prozent zum Vormonat, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. sf/rtr

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