Wirtschaft : Konjunkturprognose sehr unterschiedlich

DÜSSELDORF (ari/HB). Während das Bundesfinanzministerium in seinem jüngsten Monatsbericht an der Wachstumserwartung der Bundesregierung von gut 1,5 Prozent für dieses Jahr festhält, hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln, seine Prognose für 1999 nach unten korrigiert. Das IW rechnet jetzt nur noch mit 1,3 Prozent nach im Vorjahr 2,3 Prozent Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Oktober 1998 hatte die Prognose des Instituts noch auf 2,0 Prozent gelautet, indirekt war sie im April dieses Jahres bereits auf 1,5 Prozent zurückgenommen worden. Hauptursachen für die schwächere Konjunktur sind nach Einschätzung des IW die gesunkenen Exporte sowie die Unsicherheiten über die heimische Wirtschaftspolitik. Da das reale BIP im ersten Quartal zum Vorjahr nur um 0,7 Prozent gestiegen sei, müßte es, um überhaupt im Gesamtjahr 1,3 Prozent zu erreichen, in den übrigen drei Quartalen um mindestens 1,5 Prozent zulegen, rechnet das IW vor. Der Aufschwung seit 1993 habe nur eine geringe Dynamik entwickelt, weil die zeitweise kräftige Nachfrage aus dem Ausland nicht ausgereicht habe, um die Inlandsnachfrage anzuschieben. Insbesondere den Investitionen fehle es an Durchschlagkraft. Ohne 1998, als die Ausrüstungsinvestitionen um zehn Prozent zulegten, seien sie seit 1993 nur um jährlich 1,2 Prozent gestiegen und damit um 0,6 Prozentpunkte schwächer als das BIP.

Auch die Deutsche Bundesbank ist zurückhaltend in der Konjunkturbeurteilung. In ihrem Juni-Monatsbericht weist sie darauf hin, daß sich im März und April zwar die leichte Aufwärtstendenz bei den Aufträgen der Industrie fortgesetzt habe. Das Vorjahresniveau werde aber noch unterschritten. Die Bestellungen aus dem Inland hätten sich wie die gesamte Investitionsgüternachfrage schwach entwickelt. Impulse seien vom übrigen Auslandsgeschäft gekommen. Am Arbeitsmarkt macht die Bundesbank keine Dynamik aus. Saisonbereinigt sei die Arbeitslosenzahl zuletzt weiter gestiegen. Beim absoluten Rückgang um 200 000 zur Vorjahreszeit müsse der um 145 000 höhere Teilnehmerbestand in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik berücksichtigt werden.

Das Finanzministerium wertet die jüngsten Wirtschaftsdaten und die günstigeren Einschätzungen der Zukunft im Ifo-Geschäftsklima-Index hingegen hoffnungsvoller. Für die nächste Zeit ließen sie eine neuerliche Belebung der Industriekonjunktur erwarten. Unter anderem zeige auch der Warenexport deutliche Erholungstendenzen. Die Baunachfrage habe sich im Westen spürbar belebt, die Bauproduktion neige insgesamt allerdings weiter zur Schwäche. Bei der Umsatzentwicklung im Einzelhandel habe sich die Aufwärtstendenz fortgesetzt. Es bestünden gute Aussichten, daß das von der Bundesregierung erwartete Wirtschaftswachstum von gut 1,5 Prozent auch erreicht werde, schreibt das Finanzministerium.

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