Wirtschaft : Konjunkturzyklen leben immer noch (Kommentar)

Karin Birk

Viele Ökonomen schauen auf die USA. Die US-Wirtschaft wächst und wächst. Die Arbeitslosenrate liegt bei vier Prozent, und Inflation scheint es in der größten Industrienation der Welt fast nicht mehr zu geben. Internetfirmen und Softwareschmieden mit nie dagewesenem Produktivitätszwächsen sorgen für diese beste aller Welten - die "New Economy". Kapazitätsengpässe, zu hohe Lohnabschlüsse, Preissteigerung und Abschwungphasen gehören der Vergangenheit an, sagen die Neuen Ökonomen. Immer neue Erfindungen und Existenzgründungen sorgten für genügend Produktivitätsfortschritt und Wachstum. Für immer? Mag sein, dass die Wirtschaft in den USA auch in den nächsten Jahren weiter mit niedriger Inflation und ohne große Konjunkturschwankungen nach oben und unten wächst. Gleich von "New Economy" zu sprechen, ist übertrieben. Denn dieses stetige Wachstum über Jahre hinweg hätte es sicher nicht gegeben, hätte nicht etwa die US-Notenbank mit einer maßvollen Geldpolitik den Aufschwung begleitet. Die Konjunkturzyklen sind also nicht wie durch ein Naturwunder aus der Welt verschwunden. Dahinter steht vielmehr das wohl dosierte Eingreifen der Notenbanker und Wirtschaftspolitiker. Das hat gerade in den Vereinigten Staaten auch Raum für innovative Unternehmer und genügend Risikokapital gesorgt. Auch in Deutschland ist das möglich. Wenn sich hier auch nur langsam etwas tut, zeigen die Zeichen in die richtige Richtung: mehr Wachstum bei stabilen Preise. Neue Wirtschaften sind auch hier im Enstehen. Eine "Neue Wirtschaft" ist das alles noch lange nicht.

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