Konkurrenz für H&M und Zara : Wie Uniqlo die Welt erobern will - und Berlin

Mit 2700 Quadratmetern Verkaufsfläche auf drei Etagen ist der Berliner Uniqlo-Laden das größte Kaufhaus der japanischen Modekette in Europa – und eine Kampfansage an die europäischen Riesen.

C. Kapalschinski,C. Herz
Das Uniqlo-Kaufhaus am Tauentzien eröffnete Anfang des Monats. Foto: dpa
Das Uniqlo-Kaufhaus am Tauentzien eröffnete Anfang des Monats.Foto: dpa

Die Japaner schlichen sich in Berlin-Mitte an: Wild gekleisterte Plakate wiesen schon im Winter auf einen temporären kleinen Laden mit Daunenjacken hin. Verkäufer priesen darin zwischen weißen Regalen die Vorteile der nur 70 Euro teuren Teile: Leicht sollten sie sein – und trotzdem warm.

Der Pop-up-Store war nur ein Appetizer. Seit gut einer Woche betreibt die japanische Kette Uniqlo ihren ersten großen Laden in Deutschland. Das rote Logo lockt seitdem in einen hellen Laden mit modernen LED-Laufbändern in der Tauentzienstraße. In den Regalen liegen nun nicht mehr nur Daunenjacken, sondern auch T-Shirts mit bunten Drucken, Unterwäsche aus kühlenden Funktionsstoffen, schlichte Pullover. Mit 2700 Quadratmetern Verkaufsfläche auf drei Etagen ist der Berliner Uniqlo-Laden das größte Kaufhaus der Marke in Europa – und eine Kampfansage an die europäischen Riesen H&M und Zara.

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Shoppen im Bikini Berlin und bei Uniqlo
Shoppen im Bikini Berlin und bei Uniqlo

Jil Sander beriet Fast Retailing vorübergehend

Tadashi Yanai, Milliardär und Firmengründer des japanischen Moderiesens Fast Retailing mit seiner wichtigsten Marke Uniqlo, hat ein ebenso klar formuliertes wie ehrgeiziges Ziel: Er will der größte Textilhändler der Welt werden. In Asien ist Yanai mit seinem Konzern auf diesem Weg bereits ein gutes Stück vorangekommen. Im Gründungsland Japan ist der Moderiese sogar die Nummer eins.

Nur in Europa ist der Konzern bisher kaum bekannt. Ein Manko, das der umtriebige Manager, der vorübergehend sogar die deutsche Mode-Queen Jil Sander als Design-Beraterin für Uniqlo gewann, beseitigen will. Dennoch ging er die Attacke auf H&M und Zara in ihrer wichtigen Heimatregion bislang nur zögerlich an: Die lange angekündigte Eröffnung in Berlin ließ Jahre auf sich warten. Die Euro-Krise habe ihn vorsichtig werden lassen, sagte Yanai kürzlich in einem Vortrag. Schwerpunkt der Expansion sei daher weiterhin Asien.

Expansion ist für Firmengründer eine Frage des Ehrgeizes

Schließlich musste Yanai in Europa einiges Lehrgeld zahlen. Bis auf fünf schloss Uniqlo 2004 alle 24 Läden in Großbritannien nach einem ersten erfolglosen Anlauf, um mit neuem Konzept noch einmal anzufangen. Ähnlich erging es Yanai in den USA. Doch mit einem Flagship-Store auf der berühmten 5th Avenue in New York strebt er jetzt die Gewinnzone in den USA an.

Die operativen Verluste dort hätten „dramatisch“ abgenommen, heißt es im gerade veröffentlichten Halbjahresbericht. Auf allen Kontinenten sei Uniqlo erfolgreicher als prognostiziert, heißt es darin, in den bereits eröffneten europäischen Läden wachse der Umsatz zweistellig. Bislang gab es auf dem Kontinent nur Läden in Moskau, Paris und London, wo inzwischen wieder zehn Läden geöffnet sind.

Die erfolgreiche Expansion ist für Yanai eine Frage des persönlichen Ehrgeizes. Von der Kleinstadt Ube in Westjapan bis in die Hauptstadt Tokio habe sein Unternehmen 26 Jahre gebraucht, von dort bis nach London nur noch drei Jahre, sagte er. „Wir sind heute eine nationale japanische Marke und wollen eine Weltmarke werden“, kündigte er an. „Wir sind noch unfertig, noch mitten auf dem Weg.“ Deshalb fasst er jetzt den Kauf einer der am schnellsten wachsenden britischen Modemarken ins Auge.

Hohe Qualität zu niedrigen Preisen

Die Japaner sind nach britischen Medienberichten in Gesprächen über einen Kauf der britischen Modemarke Cath Kidston, die mit Taschen, Klamotten und Accessoires voller Pünktchen und Blümchen im Retrodesign ein kleines Modereich mit 136 Shops aufgebaut hat.

Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Zara oder Primark, die mehrmals im Jahr ihr Sortiment wechseln, um den Absatz anzukurbeln, setzen die Japaner auf die Kraft vergleichsweise einheitlicher Kleidung in hoher Qualität zu niedrigen Preisen. Uniqlo verkauft dabei Alltagskleidung – im Modejargon ,Basics’ genannt. So punktet die Kette mit modischen Standards, aber auch mit Hightech-Materialien. (HB)

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